Kommentar

Blinde Feindschaft

27. Oktober 2005 Seit der Revolution ist die erbitterte Feindschaft mit Israel ein außenpolitischer Grundpfeiler der Islamischen Republik Iran. Das ist in den vergangenen Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten, weil sich die Teheraner Regierungsvertreter unter dem Reformpräsidenten Chatami zurückhaltender über das Existenzrecht Israels zu äußern pflegten. Ganz eingeschlafen war die Idee von der Vernichtung Israels in der iranischen Führung aber nie. Die Unterstützung für die Hizbullah hat auch in den Chatami-Jahren nicht aufgehört.

Daß Mahmud Ahmadineschad nun eine antizionistische Konferenz abhalten läßt und sich dort ausdrücklich auf den Revolutionsführer Chomeini beruft, belegt, wes Geistes Kind der neue Präsident ist. Ahmadineschad stammt aus dem Teil der iranischen Führung, der sich in jungen Jahren gegen den Schah auflehnte und prägende Jahre in den radikalislamischen Revolutionsgarden erlebte. Schon sein jüngster Auftritt in der UN-Vollversammlung, den er zu einer Generalabrechnung mit Amerika und dem Westen nutzte, ließ ahnen, daß hier ein religiös-weltanschaulich schwer zu bändigender Mann in einem islamischen Schlüsselland an die Macht gelangt ist. Wahrscheinlich vertraut er darauf, daß ihm deutliche Worte gegen "den großen und den kleinen Satan" (Amerika und Israel) daheim Popularität bescheren, um eines seiner wichtigsten Wahlversprechen zu erfüllen: die Korruption im Lande zu beenden.

Die einhellige internationale Empörung über Ahmadineschads Äußerung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß man im Ausland noch keine gute Politik für diesen Mann und die Kräfte, die hinter ihm stehen, gefunden hat. Ein Ausschluß Irans aus den Vereinten Nationen, wie ihn Israel jetzt fordert, erscheint unrealistisch und würde kaum etwas bewirken. Die Regierung in Teheran bezieht ihre Stärke aus den Rohstoffvorkommen des Landes, der verfahrenen Lage im Irak und dem Spiel mit den Ängsten des Auslands vor einer iranischen Atombombe. Im Hinblick auf letzteres sollten Ahmadineschads Worte aber all jenen im Westen zu denken geben, die angesichts der verhärteten Fronten im Atomstreit halblaut darüber reden, daß man eine nukleare Bewaffnung Irans vielleicht einfach hinnehmen müsse. Ein Ziel iranischer Raketen wäre Israel.

Text: nbu.; F.A.Z., 28.10.2005

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