Von Klaus-Dieter Frankenberger
17. April 2008 Der Papst in Washington, quasi auf Vorstellungsvisite bei der Weltmacht: Mit ihr verbindet Benedikt XVI. mehr als mit anderen postmodernen Gesellschaften; ihr sieht er freilich auch Methoden wie die Todesstrafe nicht nach.
Die Amerikaner, die auf der einen Seite libertär, auf der anderen in einem Maße gläubig sind, wie es uns fremd geworden ist, sehen den Papst als moralischen Führer von globaler Ausstrahlungskraft. Bei seinem Vorgänger hatte diese Verehrung einer moralischen Unerbittlichkeit zum Trotz etwas von Popstarrummel. Von Benedikt erhoffen sich auch Nichtkatholiken Inspiration.
Dieses besondere, eigenartige Verhältnis zwischen dem Vatikan und Amerika, wo die Trennung von Kirche und Staat mit großer Rigorosität durchgesetzt wird, aber Religion und Zivilreligion nahe beieinanderliegen, bildet sich bis in die Spitze ab.
Bush, dessen Irak-Politik Benedikt kritisiert, den er aber als Verbündeten bei gesellschaftspolitischen Großthemen erkennt, begrüßte den Pontifex noch auf dem Rollfeld.
Die Geste ist vielsagend. Allerdings war das der Spruch des Obersten Gerichts just an diesem Tag auch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa