Jörg Haider ist tot

Österreich

Ohne Haider

Es war ein pralles, an politischen Höhen und Tiefen reiches Leben, das abrupt zu Ende ging. Doch der jähe Tod passt irgendwie zu dem unsteten und bisweilen auch (selbst)zerstörerisch veranlagten Politiker und Menschen Jörg Haider. Von Reinhard Olt

Lesermeinungen zum Beitrag

12. Oktober 2008 23:13

so hat er auch geredet

EroY Cibil (Lysandus)

am 13. Februar 2002 über den Präsidenten des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich: „Wenn einer schon Adamovich heißt, muss man zuerst einmal fragen, ob er überhaupt eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat.“ Kann mir einer der Haider-fans das erklären, wie ich das so verstehen soll?

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12. Oktober 2008 11:26

'Rechtspopulist'?

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

In einer Meldung - Ein Hang zu überhöhter Geschwindigkeit“- ist davon die Rede, dass Haider seit zehn Jahren Landeshauptmann war. Die Meldung beginnt jedoch mit der Einordnung Haiders als 'Rechtspopulist' - als handle es sich um den Tod eines Aussaetzigen. Diese Stigmatisierung wirft ein schraeges Licht auf diejenigen, die Pauschalisierungen nicht wiederstehen koennen; der Hang zu Vereinfachungen.

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12. Oktober 2008 03:19

Erschreckende Mythenbildung

Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

Es ist schon verwundernd, wenn auf einmal Österreichs Wirtschaftswachstum allein einem Politiker angedichtet werden. Sein Verdienst besteht darin, Fremdenhass und Xenophobie liberalisiert zu haben. In einem selten paranoiden Land wie Österreich fiel das natürlich auf fruchtbaren Boden. WIE paranoid das Bergvolk ist, merkt man, wenn man plötzlich lesen muss, dass manche schon die Slowenen für den wohl selbstverschuldeten Autounfall verantwortlich machen wollen.

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12. Oktober 2008 00:26

Zum Unfall: Großes Pech

Marvin Parsons (mapar)

Wenn man sich das Bild vom Unfallwagen ansieht fällt auf daß die Sicherheitszelle weitgehend intakt ist, außer dort wo der Fahrer saß. Er muß beim Überschlag genau an dieser Stelle gegen etwas sehr festes geschlagen sein. Bei einem nur wenig anderen Verlauf des Unfalls hätte er eventuell überlebt. Aber in diesem entscheidenden Moment hat ihn das Glück verlassen.

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11. Oktober 2008 22:27

Erneuerer des Nationalliberalismus

Justus Möser (Advocatuspatriae)

Jörg Haiders Tod ist ein schrecklicher Verlust. Diesen charismatischen Politiker, der sich freilich mehrfach zu Äußerungen verstieg, die man guten Gewissens nicht unterschreiben kann, als Rechtspopulisten abzutun, wie es nun z.T. geschieht, wird seiner Lebensleistung nicht gerecht. Als erfolgreicher Landeshauptmann hat Haider Kärnten zum Musterland der Solarenergie gemacht, ein schulvorbereitendes Pflichtkindergartenjahr mit Spracherziehung eingeführt und Asylmißbrauch rigoros bekämpft. Vor allem aber, und dies ist sein historisches Verdienst, hat er der pragmatisch-patriotischen Tradition des Nationalliberalismus neues Leben eingehaucht. Er hat jene politische Strömung erneuert, die, im Gefolge der Märzrevolution entstanden, aufklärerischen Verfassungsstaat und romantisches Nationalbewußtsein versöhnte, und deren Vertreterinnen (Deutschliberale Partei und Deutschfreiheitliche Partei in Österreich, Nationalliberale Partei und Deutsche Volkspartei in Deutschland) die Geschicke der beiden Nachbarstaaten bis weit ins 20. Jahrhundert prägten. Er war kein Populist, sondern ein Politiker, der das liberale Verfassungsprinzip mit löblicher Vaterlandsliebe und sozialer Verantwortung versöhnte. Dieses Erbe wird ihn hoffentlich überleben.

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11. Oktober 2008 20:24

Er ruhe in Frieden!

Peter Zentner (Caterwaul)

Seine üblen rechtspopulistischen Sprüche fanden in den frühen Achtzigern statt, wurden ihm aber, besonders im Ausland, bis heute nicht vergessen. Zu unrecht: Das Üble und das Rechte hat er in zwei Jahrzehnten zugunsten einer (in Österreich raren) liberalen Haltung abgelegt, die er populistisch vertrat. Aber man nenne mir einen einzigen erfolgreichen Politiker, der kein Populist ist! "Das tapfere Haiderlein", wie seine Schulkollegen ihn nannten, hat Österreich aus dem Sumpf der Freunderl- und Proporzpolitik befreit, die das Land mehr als 40 Jahre lang lähmte. Großteile der Industrie waren seit dem Krieg verstaatlicht und dank unfähiger Parteisoldaten im Management, stets in rot-schwarzer Doppelbesetzung, schwer defizitär. In Wien war es ohne rotes Parteibuch unmöglich, eine Wohnung, einen Kindergartenplatz, einen Job in Bildung oder Verwaltung zu bekommen; in schwarzen Bundesländern war halt die andere Farbe erforderlich. Haiders Verdienst besteht darin, diesen Augiasstall ausgemistet und Österreich fit für das 21. Jahrhundert gemacht zu haben. Unter Kanzler Schüssel, den es ohne Haider nicht gegeben hätte, wurden aus verkommenen Staatsklitschen profitable, weltmarktfähige Unternehmen. Österreich hat guten Grund, ihm zu danken.

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11. Oktober 2008 20:23

Er ruhe in Frieden!

Peter Zentner (Caterwaul)

Seine üblen rechtspopulistischen Sprüche fanden in den frühen Achtzigern statt, wurden ihm aber, besonders im Ausland, bis heute nicht vergessen. Zu unrecht: Das Üble und das Rechte hat er in zwei Jahrzehnten zugunsten einer (in Österreich raren) liberalen Haltung abgelegt, die er populistisch vertrat. Aber man nenne mir einen einzigen erfolgreichen Politiker, der kein Populist ist! "Das tapfere Haiderlein", wie seine Schulkollegen ihn nannten, hat Österreich aus dem Sumpf der Freunderl- und Proporzpolitik befreit, die das Land mehr als 40 Jahre lang lähmte. Großteile der Industrie waren seit dem Krieg verstaatlicht und dank unfähiger Parteisoldaten im Management, stets in rot-schwarzer Doppelbesetzung, schwer defizitär. In Wien war es ohne rotes Parteibuch unmöglich, eine Wohnung, einen Kindergartenplatz, einen Job in Bildung oder Verwaltung zu bekommen; in schwarzen Bundesländern war halt die andere Farbe erforderlich. Haiders Verdienst besteht darin, diesen Augiasstall ausgemistet und Österreich fit für das 21. Jahrhundert gemacht zu haben. Unter Kanzler Schüssel, den es ohne Haider nicht gegeben hätte, wurden aus verkommenen Staatsklitschen profitable, weltmarktfähige Unternehmen. Österreich hat guten Grund, ihm zu danken.

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11. Oktober 2008 17:56

Jetzt kann Österreich durchatmen

Konstantin Schneider (bundesboy)

Nun wird sich Österreich hoffentlich endgültig von seiner braunen Vergangenheit befreien können und entdecken, was ihm Haider alles angetan hat. Wenn es nämlich niemanden mehr gibt, der sich erdreistet aus rein egoistischen Gründen das Volk zu verdummen, dann fällt hoffentlich endlich auch dem Letzten auf, dass das, was Haider vertrat, nur seinen persönlichen Nutzen mehren sollte.

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11. Oktober 2008 17:28

Bei allem Populismus...

Christoph Rohde (prediger1)

hat Haider die tranige, bürokratische österreichische Innenpolitik zu reformieren geholfen. Dass der Staat mehr Wettbewerbsfähigkeit hat als in den neunziger Jahr, ist einer seiner Verdienst. Das rechte Gehabe war ein Schatten des Mannes, der wirklich staatsmännische Fähigkeiten hätte haben können...

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11. Oktober 2008 17:00

Schräge Emphatie

Herold Binsack (Devin08)

Wir haben das doch eben richtig verstanden, die Rede ist hier von jenem ultrarechten Demagogen Jörg Haider, der mit seinem nationalsozialistischen Gedankengut so ähnlich in selbstmörderischer/mörderischer Absicht hantierte, wie ein ausgeflippter Soldat mit seiner Handgranate, wenn er diese entsichert, dann nicht wirklich vorhat, von sich zu werfen? Denn Haiders Funktion, und in dieser Hinsicht in seiner Strahlkraft weit über die österreichischen Grenzen hinaus wirkend, war doch wohl, mit dem (wohl nicht mehr) Schreckgespenst eines biederen Nationalsozialismus, diesen ständig parat zu halten – für den Notfall -, den echten, dann nicht mehr so biederen! Wäre es wirklich so pietätlos, zuzugeben, dass man solchen Leuten keine Träne nachweint, gleich wie tragisch ein solches Ende sein mag? Der Edelmut einer FAZ, mit einem solch emphatischen Nachruf, kommt mir da doch ein bisschen schräg daher!

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