
Ihr Artikel zeigt sehr klar, dass die deutsche Medizin ein Systemproblem hat. Zum einen zeigt die bisherige planwirtschaftliche Steuerung ihre Grenzen auf. Eine weitere sehr negative Entwicklung in der dt. Medizin wird von Ihnen exakt dargestellt: Wissen ist vorhanden, aber man nutzt es nicht. Zunächst scheint diese von Ihnen gut begründete Aussage nur in dem Bereich der Medizin eine Bedeutung zu haben, die sich mit den neusten Entwicklungen beschäftigt. Aber weit gefehlt. Heute steuern die medizinischen Verbände der Krankenkassen und die Furcht der niedergelassenen Ärzte vor dem Regress der Kassenärztlichen Vereinigung das medizinische Handeln in Deutschland. Und dies ist eine Katastrophe für die Patienten. Um dieser negativen Entwicklung zu begegnen, muss rasch gehandelt werden. Die Fachgesellschaften der Ärzte in Deutschland sollen aufwachen und die Erkenntnisse der internationalen Medizin prüfen und in deutscher Sprache den eigenen Mitgliedern als verpflichtende Arbeitsvorgaben mitteilen. Diese erwiesenen Vorgaben sind dann auch bei den Kassen durchsetzbar und die KV wie auch der medizinische Dienst können nicht weiter die Medizin bestimmen. Für die Patienten und für die Ärzte wäre diese Vorgehensweise sicherlich ein groß

Gutes Thema - aber leider zu eindimensional interpretiert. Vieles von dem was Herr Antes anprangert ist richtig. Ernüchternd, aber wahr. Warum ist das so? Dazu muss man verstehen und "wissen" wie Wissenschaft in der Medizin in D-land funktioniert. Früher, als natürlich, wie immer, alles besser war, war Patientenversorgung schnell erledigt(man wusste ja nicht so viel wie heute) und es war Zeit zum "Wissen schaffen"(und das war folglich auch einfacher). Von Ärzten in D-land wird seit Jahren erwartet, neben der durch computerlesbarkeit-adaptierte administrative Tätigkeiten überfrachtete Patientenversorgung, dass besser zu schaffen, was Ärzte in anderen Ländern in Fulltimejobs machen dürfen: Wissen schaffen. Es ist geradezu naiv darüber zu diskutieren, das deutsche Fachzeitschriften einen geringeren Impactfactor haben als englischsprachige. Was viel gelesen wird hat einen hohen Impactfactor. Wer bitte kann heute deutsch? Wer etwas Gutes publiziert, tut dies ohnehin auf Englisch. Wenn Wissenschaftliche Assistenten sich endlich fulltime und nicht nach 20 Uhr "mal so nebenher" (ist doch selbstverständlich), der Wissenschaft widmen können, darf man erwarten ähnliche Ergebnissefülle und-qualität zu liefern wie andere Länder.

Schöner Artikel! Ein Fakt ist jedoch erschreckend. Wenn tatsächlich soviel Ignoranz vorliegt wenn es darum geht englischsprachige Fachliteratur zu lesen, dann ist dies ein Armutszeugnis. Eine solche Abschottung kann sich keine Wissenschaft (wenn man dann noch von einer solchen sprechen will) erlauben.

Sehr geehrter Herr Gerd Antes, nach meiner Meinung sollte es möglich sein, mit Hilfe des Bundesgesundheits- ministeriums Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche vornehmen zu lassen. Diese könnten via ein spezielles Internetportal und über die Ärztekammern und über Verbände angeboten werden. Natürlich sind Übersetzungen von Fachartikeln in der genannten Anzahl sehr kostenaufwändig jedoch dürfte das Kosten/Nutzenverhältnis längerfristig deutlich zu Gunsten des Nutzens für die Gesellschaft ausfallen. Ihre Kritik über unser Medizinsystem sehe ich sehr positiv. Vielen Dank !! Mit den besten Grüßen, Marius Kayser. längerfristig zu Gunsten des Nutzens

Wer ein wenig Einblick in die insbesondere finanziell (Pharmabranche) motivierte ,vermeintlich wissenschaftlich fundierte Studienarchitektur hat, weiß das nicht nur hierzulande die Motivation der Medizinindustrie weit mehr Gewinnoptimierung und nicht Heilungsoptimierung ist. Medizin ist nur zum geringsten Teil eine Naturwissenschaft und zum größten Teil eine Erfahrungswissenschaft. Die durch Medien,Politik und Industrie immer wieder vermittelte Darstellung medizinische Behandlung sei zertifizierbar oder standardisierbar zeugt nur von inkompetenz oder Gewinnsucht.

Es stimmt, dass ein Problem bei wissenschaftlichen Studien der Phase II oder III neben der Sprachbarriere (bei jüngeren Ärzten allerdings kaum mehr) auch in der Gefahr von Regressen liegt. In ihrer Widersprüchlichkeit ist die Medizinforschung einfach nur Abbild des staatlichen deutschen Gesundheitswesens: Auf der einen Seite verlangt der Staat Evidence Based Medicine - auf der anderen Seite gibt es kein Land der Welt, das so viel wissenschaftlich unbelegte Behandlungsmethoden erstattet (von Akupunktur bis Homöopathie), ohne die Gesundheit der Bevölkerung damit nachweislich zu verbessern (diese Methoden sind eine ideologische Glaubenssache und Dogma der neuen "Öko-Religion"). Ein weiterer nicht unerheblicher Grund - die Patientenverweigerung - liegt in der historischen Erfahrung der Deutschen: Versucht man Patienten für Studien zu gewinnen, muss ein nicht vergüteter und unverhältnismäßig hoher Aufwand an bürokratischer und rechtlicher Aufklärung erfolgen und dann kommt oft die Ablehnung durch den Patienten selbst: "Ich lasse mit mir keine medizinischen Versuche machen ... " Hier schwingt immer noch die geschichtliche Erfahrung des Missbrauchs der Medizin-Opfer im Nationalsozialismus durch ("Medizin ohne Menschlichkeit").

In Deutschland beschäftigt man sich lieber mit der Gesundheitsreform, dem Gesundheitsfonds, bürokratische Gängelung der Ärzte, Privilegienpflege im Krankenhaus (Chefarztsyndrom) etc. Unter Frau Ulla Schmidt ist die Gesundheitsversorgung in Deutschland beträchtlich ins Trudeln geraten. Vor ein paar Jahren hat sie versprochen, die Krankenkassenbeiträge werden unter 14 % fallen, jetzt sind wir bald bei über 16%. Eine Ausweitung bürokratischer Strukturen, die natürlich Ressourcen verbrauchen, die den Leistungserbringern im Gesundheitswesen nicht zur Verfügung stehen. Wen wundert es da, dass im deutschen Gesundheitswesen mit seinen feudalen verkrusteten Strukturen Provinzialismus an der Tagesordnung ist.

Sehr geehrter Herr Antes, die niedergelassene Ärzteschaft in Deutschland hat ein Riesenproblem: die Regressdrohung. Wenn man sich fleißig fortbildet und das erworbene Wissen dann umsetzen möchte, läuft man Gefahr, daß man anschließend abgestraft werden kann. Die etablierten Therapien sind zum Teil uralt, aber "sicher" und somit "evidenzbasiert". Wenn man als Arzt also auf der sicheren Seite sein möchte, wartet man besser ein paar Jahre ab und läßt andere sich die Finger verbrennen. Ich würde mir wünschen, daß man auch einmal die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf den Prüfstand stellt und die Verantwortlichen für etwaige Fehlentscheidungen gerade stehen lässt! Alles Gute zum Neuen Jahr! Ein frustrierter Hausarzt