Lungentransplantation

Richtig durchatmen

14. Mai 2008 Patienten mit einer schweren chronisch obstruktiven Lungenerkrankung erhalten heute im Falle einer Lungentransplantation zwei neue Lungenflügel. Vor zehn Jahren überwog noch der Austausch nur eines Flügels. Welches Vorgehen zu einer höheren Lebenserwartung führt, ist nie systematisch untersucht worden. Wegen der - statistsich gesehen - geringen Zahl der Patienten und der Schwere der Erkrankung verbieten sich wissenschaftlich fundierte Vergleichsstudien.

Wie die rückblickende Auswertung eines internationalen Registers aber jetzt ergeben hat, bietet der Austausch beider Lungenflügel einen deutlichen Überlebensvorteil. Bei dem von Gabriel Thabut und seinen Kollegen vom Bichat Hospital in Paris analysierten Register handelt es sich um die Datenbank der Internationalen Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantationen. Dort sind alle seit 1987 weltweit vorgenommenen Lungentransplantationen aufgelistet, insgesamt fast 10.000.

Mittlere Überlebenszeit steigt von viereinhalb auf sechseinhalb Jahre

Wie die Forscher in der Zeitschrift „Lancet“ (Bd. 371, S. 744) ausführen, steigt die mittlere Überlebenszeit von viereinhalb auf sechseinhalb Jahre, wenn anstelle eines Lungenflügels alle zwei verpflanzt werden. Allerdings gilt das nur für Patienten, die nicht älter als sechzig Jahre sind. Im fortgeschrittenen Lebensalter ist die Lungenfunktion unter anderem wegen der längeren Krankengeschichte schlechter, und es liegen mehr Begleiterkrankungen vor. Beides erhöht die Sterblichkeit nach der Transplantation.

An der Medizinischen Hochschule Hannover, wo weltweit die meisten Lungentransplantationen vorgenommen werden, sei der Austausch beider Lungenflügel bei Patienten mit chronisch obstruktiver Erkrankung seit Jahren medizinischer Standard, sagt Jens Gottlieb von der dortigen Klinik für Pneumologie. Die Auswertung des Registers bedeute ein starkes Votum für die beidseitige Lungentransplantation bei jüngeren Patienten. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Bei der einseitigen Transplantation ist die Operationszeit kürzer, und der Patient kann im Falle eines Organversagens wenigstens noch über seinen alten Lungenflügel atmen. Außerdem kommt der andere Lungenflügel möglicherweise einem anderen Kranken zugute.

Steigerung der Lebensqualität durch zwei Lungenflügel

Die Übertragung zweier Lungenflügel hingegen führt dazu, dass die Patienten besser durchatmen können und leistungsfähiger werden, was die Lebensqualität steigert. Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass der alte Lungenflügel die Atmung durch Überblähung behindert und dem neuen Lungenflügel nicht genug Platz zur Ausdehnung lässt. Der Überlebensvorteil, den die beidseitige Lungentransplantation jüngeren Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung bietet, ist für die meisten ohnehin nicht das vordringliche Motiv für die Operation, sondern die Hoffnung auf eine bessere Lebensqualität.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS

 
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