Medizinische Versorgung

Die Alten gehen, die Jungen flüchten

Um die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland ist manchem Arzt bange, auch dem Autor dieses Beitrags. Ein Generationenwechsel steht bevor und ausreichender Nachwuchs ist nicht in Sicht. Von Vater Staat wird das Problem rechnerisch unter den Teppich gekehrt. Von Michael Feld

Lesermeinungen zum Beitrag

13. Juli 2008 11:13

Niederkalorische Versorgung

Klaus Samer (ognum)

Sicherlich die Situation gerade der Klinikärzte in Deutschland ist vorsichtig formuliert sicher nicht berauschend. Ob es indes der Patientenversorgung dient Gemeindeschwestern mit Staatsexamen als niederkalorisch zu betiteln ist denn doch eher fraglich. Die medizinische Versorgung in Deutschland leidet nicht nur an einem Mangel an Ärzten sie leidet auch darunter das manche Mitglieder dieser Profession eher bereit sind ihre Patienten auf dem Altar der Eitelkeit zu opfern als Dinge die nicht zwingend ein 6 jähriges Studium erfordern sinnvoll im Interesse einer besseren Versorgung der Patienten zu delegieren. Wer glaubt er müsse auch noch den letzten Holzsplitter behandeln und nur die Nase rümpft über andere medizinische Berufsgruppen darf nicht über zuviel Arbeit weinen. Wenn man aus seinem Medizinstudium nicht mehr mitnimmt als den Glauben an die eigene Unentbehrlichkeit hat man den Beruf verfehlt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
12. Juli 2008 15:02

korrekte bestandsaufnahme

harald schneider (asklepion)

zumindest aus sicht eines klinikers. natürlich haben wir in deutschland eine luxus(über)versorgung, die weltweit ohne gleichen ist. auffällig ist aus meiner sicht eine vergleichsstudie von 6 industriestaaten (u.a. USA, Kanada, Japan) zu verfügbarkeit von medizinischen untersuchungen, notfallversorgung, ectr. Fazit der Studie waren spitzenwerte des deutschen medizinsystems mit den geringsten wartezeiten für notfälle, termine medizinischer untersuchungen. gleichzeitig gaben die deutschen patienten ihrem system die schlechtesten noten aller bewerteten gesundheitssysteme. hier liegt z.t. der hase im pfeffer begraben. die bundesbürger erwarten, nein verlangen eine medizinische luxusversorgung und schimpfen über die kosten die sie selbst verursachen. auch politik, kv und leistungserbringer haben selbstverständlich daran ihren anteil. aber die hauptkosten werden durch die menschen bedingt, die schindluder mit ihrer gesundheit betreiben und erwarten das die medizin dies, selbstverständlich ohne eigenleistung ihrerseits, wieder ausbügelt. dieser anteil der bürger lässt sich gerne vom statistiker mit der fliege (KL) einreden dass irgendwer sie abzockt. er und rhön wissen schon warum.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
08. Juli 2008 18:44

Systemimmanenter Ressourcenmissbrauch, der tatsächlich Kranke diskriminiert

Daniel Knoell (DanielKnoell)

Was Herr Heitlage beschreibt, ist völlig richtig, nur hat es mit der Lage, mit der sich Herr Feld beschäftigte, nichts zu tun. Die Orientierung der Anbieter auf sich krankfühlende Gesunde, die sich ihre Gesundheit bestätigen lassen wollen, ist Teil der zuvor von mir genannten Wertschöpfungsketten. Kranke sind teuer, aufwendig und renditeschwach. Folglich kann man mit ihnen kein Geld verdienen. Gesunde, die sich im quasireligiösen Gesundheitswahn dem Ablasshandel hingeben, sind genau die Klientel, die alle glücklich macht. Leider zu Lasten der Solidargemeinschaften. An denen kann man viel verdienen, praktisch nichts falsch machen und steht hinterher noch als der tolle Doktor da, der den Patienten „geheilt“ hat. Dass der eventuell gar keinen Arzt brauchte, weil er in wenigen Tagen sowieso spontan gesund geworden wäre oder sich ohnehin nur seiner Gesundheit versichern wollte, fällt begreiflicherweise unter den Tisch. Solche Feststellungen stören die Geschäfte. Vor diesem Hintergrund werden die Aussagen von Herrn Feld noch brisanter. Wer soll denn die tatsächlich Bedürftigen versorgen, wenn der Löwenanteil der Aufwendungen wie jetzt von Gesunden nutzlos verballert wird? Diese gigantische Fehlallokation in Verbindung mit dem tatsächlich drohenden Ärztemangel lässt Schlimmes ahnen. Dann wird mehr als Mangel offensichtlich werden. Mit besten Grüßen DK

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
08. Juli 2008 01:18

Ärzteversorgung

Gregor Heitlage (Nitschewo2)

Wie kann man so ein Szenario zeichnen, das widerspricht sämtlichen Erfahrungen. Nirgendwo gibt es so eine hohe Arztdichte und so eine scharfe Konkurrenz. Natürlich, wer will schon als Hausarzt den Dummen abgeben, sich von den Patienten belehren lassen, was der tolle Spezialist, der in der Großstadt eine tolle Praxis oder Ambulanz führt, zu den Symptomen gesagt hat und welches teure Medikament der empfohlen hat. Der Unterschied hier ist die freie Arztwahl, die in England so nicht existiert. Wenn man einen Wunsch verweigert wird einfach der nächste Kollege aufgesucht, es gibt reichlich davon! Und was an den Krankenhäusern an zusätzlichen Leistungsspektren in letzter Zeit angeboten wird, oft völlig am Bedarf vorbei, kann man gar nicht aufzählen! Herzkatheter bietet jedes kleine Krankenhaus, man ist böse, wenn man das Krankenhaus übergeht. Orthopädische Chirurgie, Neurochirurgie, OP-Termine binnen einer Woche - kein Problem! CT- Termine: Maximal 1 bis 2 Tage, Coloskopie zwei Tage, Kernspin-Untersuchungen manchmal 1 bis 2 Wochen, alles oft auf Patientenwunsch hin- Kasse oder Privat. Ich weiß nicht, wo hier ein Mangel sein soll. Mit Gruß!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
06. Juli 2008 13:31

Schöne neue Welt

Daniel Knoell (DanielKnoell)

Zunächst einmal herzlichen Dank an Herrn Feld für seinen prononcierten Beitrag, der, ohne mit unnötigen Details und unnötiger Schärfe zu belasten, die aktuelle Lage und ihre Folgen korrekt aufzeigt. Die Herren Deiß und Rupp delirieren sattsam und mittlerweile als weitgehend falsch erkanntes Bekanntes. Der typische schmidtoideNeusprech eben. Wichtig ist, die entscheidenden Ziele zu erkennen, welche die „Reformer“ anstreben: 1. Der Aufbau geschlossener, kalkulierbarer Wertschöpfungsketten, die bei statistisch antizipierter Morbidität eine konstante Ergebnisoptimierung auf höchstem Niveau garantieren. 2. Langfristig die Schaffung eines Anbieteroligopols, in dem wenige Große die Spielregeln und vor allem die Preise diktieren. Wer sich hierzu informieren möchte, dem sei „Der verkaufte Patient“ von Renate Hartwig empfohlen. Da werden vielen die Augen auf- und vor allem übergehen. DK

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 20:46

Kommen Junge?

Jürgen Albrecht (sturmbrichtlos)

Als ehemaliger Assistent der Inneren Abteilung des kleinen Krankenhauses in der niedersächsischen Provinz kann ich getroffene Aussagen diesbezüglich nur bestätigen. Zuvor waren die Fluchtgedanken in das schwedische Gesundheitswesen vor der Einschulung des Ältesten vorhanden. Zurzeit trage ich mich mit dem Gedanken der hausärztlichen Niederlassung. Während der vorgeschriebenen 18 monatigen Weiterbildungszeit bei einem „Landarzt“ wurde klar, dass die Aufwertung des Hausarztes durch das politisch gewollte und sinnvolle Gatekeeper-Konzept scheitern wird. Eine Amortisation eines Ultraschallgerätes, Belastungs-EKG oder anderer Basis- Diagnostika um unnötige Spezialisten besuche abzuwenden ist nicht vorgesehen. Stattdessen müht Arzt sich um möglichst hohe Scheinzahlen, da dies das wirtschaftliche Überleben sichert. Eine Taktung von 6-7min des Arzt-Patienten-Kontakte ist betriebswirtschaftlich vorgesehen. Meine Einkommenserwartungen liegen unter dem Niveau eines industriellen Facharbeiters, hinzu kommen erhebliche Risiken. mfg

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 14:15

Call Center Medizin

Ernst G. Pohlhausen (titopoli)

Keine Frage - es gibt in der ambulanten Medizin sehr, sehr viel zu verbessern. Das aber, was in den letzten 15 Jahren an Reformen eingeführt wurde, hat leider nicht die Medizin verbessert, sondern nur den Leerlauf vermehrt. Erfahrungsgemäß legen Patienten auch in einer Praxis mit mehreren Ärzten sehr großen Wert auf "Ihren" Arzt, auf eine persönliches Verhältnis. Über diesen, doch sehr essentiellen Wunsch der Patienten kann man hinweggehen. Gut, mancher ist zufrieden, wenn ein jeweils neuer Arzt lange in der Krankengeschichte herumblättern muß, um orientiert zu sein, das aber immer wieder ungeschriebene dann doch nicht findet. Call Center Medizin kann man es dann nennen - perfekt unpersönlich höflich, aber immer wieder von vorne anfangend und keine echte Lösung bietend. Wie gesagt, es gibt viel zu verbessern. Ob die Abschaffung der persönlichen Patienten-Arzt Beziehung dazugehört, bezweifle ich.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 14:03

Wie konnte es dazu kommen?

Torsten Hauschild (tthh)

Eine nicht übertriebene Darstellung der aktuellen Situation. Überfällig ist eine Analyse wie und aus welchen Motivationen es zu der derzeitigen Situation kam und noch kommt, wer für die Hetzjagd mit ihren Folgen und Sonderbehandlung vor dem Gesetz für diesen Teil der Bevölkerung verantwortlich zeichnet.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 10:02

Eine Folge der Staatsmedizin

Marvin Parsons (mapar)

Landarzt wäre immer noch ein attraktiver Beruf, wenn man für geleistete Arbeit adäquat entlohnt würde. Viele wissen bis heute nicht, daß der Arzt (bei hohen Kosten durch Personal und Praxis) für viele Leistungen nichts oder lächerlich wenig bekommt und dabei noch von Bürokraten gegängelt wird bis zum Anschlag. Das ist die Folge der herrschenden Vollkasko- und Selbstbedienungsmentalität. Medizinische Behandlung kostet Geld wie jede andere Dienstleistung auch. Weg mit dem ganzen Wust der Kassen und amtlichen Bewirtschaftung, die Behandlung wird vom Patienten bezahlt und er läßt sich das abzüglich einer Selbstbeteiligung von seiner selbstgewählten Versicherung erstatten, so einfach wäre das. Wie teuer wäre wohl Aldi, wenn wir ein Lebensmittel-Versorgungssystem analog zu unserem Gesundheitssystem hätten?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 09:20

Der Arztberuf könnte so schön sein...

Steffen Rupp (steffenrupp)

Wenn da nicht diese Patienten wären.... Im Ernst- Ärzte brauchen nur geringe Insolvenzsorgen zu haben im Verhältnis zu wirklich im Wettbewerb miteinander stehenden anderen Freiberuflern und Unternehmern. Dem Gesundheitssektor wird staatlicherseits gut 20% des Bruttosozialprodukts nach der Methode Gießkanne zugewandt. Von derart garantierten Einnahmen können andere nur träumen. Die einzigen mir bekannten, tatsächlich in Insolvenz gefallenen westdeutschen Ärzte hatten zu sehr auf Steuersparmodelle bei Immobilieninvestitionen im deutschen Osten vertraut- c´est la vie...

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. Juli 2008 02:21

lieber Bindestrich-Reaktionär:

Timo Reimann (ttr07)

Schauen Sie doch bitte etwas länger in die neueste Ausgabe des Duden: Danach "darf der Bindestrich etwas großzügiger und freier gesetzt werden". Insbesondere kann "der Bindestrich [...] zur Gliederung von unübersichtlichen Zusammensetzungen gesetzt werden".

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
03. Juli 2008 23:21

Ja zur Poliklinik

Joachim Deiß (Jo1980)

Ich erwarte mir von der Einführung von Polikliniken eine deutliche Verbesserung der Vorsorgung der Patienten. Wenn Medizinische Versorgungszentren mit 20 oder mehr Ärzten geschaffen würden, wäre es möglich, arbeitnehmerfreundlichere Öffnungszeiten der Praxen einzurichten, mit z.B. Verfügbarkeit Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr. Dies würde zu erheblichen volkswirtschaftlichen Entlastungen führen, weil dadurch Ausfallzeiten von Arbeitnehmern reduziert würden und die Krankenkassen von Kosten für Bereitschaftsdienste entlastet würden. Außerdem werden Probleme mit Doppelbehandlungen und Fehlmedikantionen vermieden, wenn Ärzte vieler Fachrichtungen unter einem Dach praktizieren und eine gemeinsame Patientenakte führen. Ich bin der Ansicht: Viele Menschen sehen mehr als einer. Deshalb lege ich keinen Wert darauf, einen festen Hausarzt zu haben, bei dem die Gefahr größer ist, dass dieser durch Routine und mangelnde Fortbildung eine Krankheit nicht erkennt. In einem Medizinischen Versorgungszentrum besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Inkompetenz eines Arztes in einem Teilgebiet durch das Wissen eines anderen wieder wettgemacht wird.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
03. Juli 2008 23:04

Meine zweit Jüngste studiert Medizin

Chi Tamago (tamago)

Habe ihr schon mehrfach geraten einen Job im Ausland einzuplanen. Mit den Ärzten ist es wie mit den Lehrern: diese beiden Berufsgruppen werden durch Politiker aller Parteien einfach ins Abseits gestellt. Früher angesehen, heute nur noch als Kostenfaktor beurteilt. Bildung sollte hohe Priorität haben und zwingend notwendig für den Industriestandort Deutschland, ärztliche Versorgung ist per se überlebenswichtig. Die Betrachtung dieser Berufsgruppen als reine Kostenfaktoren resuliert in 10% eines Jahrganges ohne Schulabschluß, resultiert in einer Unzahl von Patienten, die keine aureichende Versorgung haben. Die Subventionierung der Solarenergie kennt hingegen keine Grenzen, auch wenn diese vorrangig den chinesischen Herstellern von Solarzellen zu Gute kommt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
03. Juli 2008 22:16

Es mangelt nicht nur an Ärzten...

Horst Tschaut (Tschaut)

.. wenn sich die geneigten Leser von einem "Publizisten" soviel "kranke" deutsche Sprache bieten lassen muss. Der Bindestrich ist hier genauso inflationär wie die Kosten in der Medizin! Liebe FAZ, schaut doch bitte wieder etwas mehr auf Rechtschreibung. Dann wird das lesende Auge auch nicht so schnell "krank". ein paar Beispiele: "Medizin-Novizen"; "Ost-Tarif"; "Jung-Hippokraten"; "Mediziner-Mangelsyndroms"; "Arzt-Ersatz"; "Rotkäppchen-Sekt"

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
03. Juli 2008 21:00

Bin schon weg

Yaron Rado (yaronrado)

Lieber Michael, schoener Artikel, den ich hier in meiner pdf Version der FAZ von Dir lese. Wie Du weisst, bin ich schon weg, trotz Papis eigener Roentgenpraxis. Lohnt sich nicht. Ist ja auch auf dem Lande ;)

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 15 von 21 Lesermeinungen
1 | 2 VorZum Ende blättern
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche