Von Julia Voelker
20. Oktober 2009 Folgt man den Hautärzten, dann ist das im vergangenen Jahr gestartete Früherkennungsprogramm für Hauttumoren schon heute ein Erfolg. Offenbar sind durch das Screening deutlich mehr der frühen Tumorstadien erkannt worden. Das war die erste Bilanz der Mediziner auf dem Jahreskongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie, der vor wenigen Tagen in Berlin stattgefunden hat.
Fast ein Viertel der Männer und Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Hauttumor. Dieses Jahr sind bisher bei acht Millionen Vorsorgeuntersuchungen rund zweihunderttausend bösartige Tumoren oder deren Vorstufen entdeckt und operiert worden.
Seit Juli vergangenen Jahres können gesetzlich Krankenversicherte im Alter von über 35 Jahren auf Kosten der Kassen ihre Haut alle zwei Jahre auf gefährliche Veränderungen überprüfen lassen. Mehr als neunzig Prozent der Hautärzte sind inzwischen am Screening-Programm beteiligt und etwa fünfzig Prozent der Allgemeinmediziner - deutschlandweit fast 35 000 Ärzte. Allerdings wird von vielen Dermatologen kritisiert, dass die Allgemeinärzte überwiegend noch schlecht ausgebildet sind, wenn es um die richtige Einstufung von Hautveränderungen geht. Insbesondere in der Dermoskopie, einer Untersuchung der Muttermale mit einer Art Mikroskop, hätten die Allgemeinärzte mangelnde oder keine Erfahrung.
Acht Millionen Untersuchungen
Auch die Altersbeschränkung des Screenings sorgt für anhaltende Kritik. Die Versicherten unter der Altersgrenze werden von der Vorsorge nicht erfasst, obwohl in ihrer Altersklasse bereits ein Viertel der Hautveränderungen auftritt. Zur Begründung hätten die Krankenkassen bisher angegeben, dass es zu teuer sei, das Screening für alle Altersklassen zuzulassen, erklärte Michael Reusch, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, in Berlin.
Abgesehen davon aber sei das Früherkennungsprogramm im Land gut angelaufen. Mehr als achtzig Prozent der beteiligten Ärzte berichten, dass sie mehr Patienten als in den Vorjahren auf Krebsvorstufen untersucht haben - im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa 1400 Screenings pro Hautarzt und achtzig pro Allgemeinarzt. In den Städten haben die Patienten vor allem ihren Dermatologen aufgesucht, in den Dörfern fühlten sich die meisten hingegen bei ihrem Hausarzt besser aufgehoben.
Alles in allem wurden etwa acht Millionen Bundesbürger untersucht. "Wir sind zufrieden", sagt Reusch, denn ein beachtlicher Teil der insgesamt 45 Millionen Deutschen über 35 Jahre hat damit die Hürde zur Hautuntersuchung schon genommen. Allerdings befürchtet Reusch, dass das gute Ergebnis darauf beruht, dass die Vorsorgeuntersuchungen gerade neu angelaufen sind und das Interesse möglicherweise bald schwindet. Ziel sei es, dass im kommenden Jahr wieder mehr als dreißig Prozent der Bevölkerung am Screening teilnehmen.
Information über vorbeugendes Verhalten
Durch die gestiegene Zahl der Untersuchungen konnten wie erwartet auch mehr auffällige Veränderungen entdeckt werden, 83 Prozent davon im Frühstadium. So stieg auch die Zahl der Operationen im vergangenen Jahr um ein Viertel auf etwa zweihunderttausend.
Das Screening dient aber nicht nur dazu, Hautkrebs zu erkennen, sondern auch, ihm vorzubeugen. Die Ärzte informieren über die fatalen Schäden, die Sonnenstrahlung dem Körper zufügt, denn viele unterschätzen die schädlichen Wirkungen der Sonne offenbar immer noch. Vor allem auf Kinder ist das Augenmerk der Ärzte gerichtet. Sie spielen im Sommer stundenlang draußen, nicht selten splitternackt in der prallen Sonne. Deshalb bekommen die meisten Menschen schon vor dem zwanzigsten Lebensjahr die größte Dosis Sonne ab. Insbesondere Sonnenbrand ist ein großes Risiko, und entsprechend wichtig ist der Sonnenschutz. Nicht weniger gefährlich sind Solarienbesuche. Eine Sitzung im Solarium schädigt den Körper so stark wie ein ganzer Tag in der Sonne, erklärt Reusch.
In den Fällen, in denen die Vorsorge versagt, soll das Screening greifen. Wird Hautkrebs früh entdeckt, ist die Tumorausbreitung noch niedrig und die Heilungsrate sehr hoch. Die Therapieoptionen reichen von Vereisung über Abkratzen und Laserbehandlung bis hin zum einfachen Eincremen. Mehr als 95 Prozent der Melanome, des "schwarzen Hautkrebses", können so in den frühen Stadien entfernt werden. Sind sie allerdings schon tiefer gewachsen, streuen sie häufig. Diese Absiedelungen der Tumorzellen sind häufig tödlich, im späten Melanomstadium sinkt die Überlebenschance drastisch auf etwa zehn Prozent Überlebensrate.
Neue Ziegruppen
Eigenverantwortung des Patienten spielt bei der Früherkennung nach wie vor eine wichtige Rolle. So haben drei Viertel der Patienten ihre tumorartigen Hautveränderungen selbst entdeckt. Reusch empfiehlt, den eigenen Körper etwa alle acht Wochen selbst zu untersuchen. Anhaltspunkte bietet die ABCD-Regel: So soll A auf Asymmetrie, B auf unregelmäßige Begrenzung, C auf Coloration sowie D auf einen großen Durchmesser der Muttermale geachtet werden. All das sind Merkmale, die typisch für krankhafte Hautveränderungen sind.
Künftig soll die Aufmerksamkeit der Ärzte und in den Kampagnen vor allem den Männern gelten sowie der jungen Bevölkerung. Denn bisher waren mehr als zwei Drittel der Teilnehmer weiblich und über fünfzig.
Text: F.A.Z.
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