Medizin

Ein Riegel für das kranke Herz

Eine Herzattacke kann unvermittelt auftreten

Eine Herzattacke kann unvermittelt auftreten

21. April 2004 Ein plötzlicher Herztod ist gewöhnlich die Folge von schwerem Herzrasen. Begünstigt wird ein solches Flimmern durch verschiedene Erkrankungen, etwa einen Infarkt. Aber auch scheinbar gesunde Herzen können unvermittelt stillstehen. In dem Fall beruht das tödliche Ereignis zumeist auf genetisch bedingten Störungen der elektrischen Herzaktivität. Die zuverlässigste Maßnahme gegen den plötzlichen Herztod ist die Implantation eines automatischen Elektroschockgeräts. Demgegenüber haben sich Medikamente bisher als enttäuschend erwiesen. Um so interessanter ist ein möglicher Therapieansatz, über den Wissenschaftler um Xander Wehrens von der Columbia-Universität in New York berichten („Science“, Bd. 304, S. 292).

Die Forscher verwendeten einen noch in der Erprobung befindlichen Wirkstoff namens JTV519, der eine strukturelle Ähnlichkeit zu bestimmten Kalziumantagonisten aufweist. Das Mittel scheint geeignet zu sein, einen molekularen Defekt in der Herzmuskelzelle zu beheben und damit einen plötzlichen Herztod zu verhindern. So ist das Risiko von schwerem Herzrasen unter anderem dann besonders hoch, wenn ein als Sarkoplasmatisches Retikulum bezeichneter zellulärer Kalziumspeicher durchlässig wird. Während der Entspannungsphase des Herzzyklus (Diastole) können dann mehr Kalziumionen ins Zellinnere gelangen und die Erregungsabläufe durcheinanderbringen.

Undichte Stellen werden „gestopft“

Wie die Forscher im Tierversuch herausgefunden haben, vermag der neue Wirkstoff die undichten Stellen zu "stopfen". In seiner Anwesenheit haftet der als Türriegel dienende Eiweißstoff Calstabin2 offenbar besser an den Verankerungen und hält die Kalziumtore somit fest verschlossen. Hinweise auf einen solchen Mechanismus erhielten die Forscher in Experimenten, in denen sie Mäusen mit angeborenem Mangel an Calstabin2 den Wirkstoff verabreichten. Nager mit diesem, auch beim Menschen vorkommenden Erbdefekt erleiden bei körperlicher Anstrengung leicht schweres Herzrasen. Bei Herzschwäche, einem viel häufigeren Leiden, treten ebenfalls Lecks in den zellulären Kalziumspeichern auf. Die Wissenschaftler halten es daher für denkbar, daß der neue Wirkstoff auch solchen Patienten zugute kommen könnte.

Text: N.v.L. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2004, Nr. 93 / Seite N2
Bildmaterial: Wigger/DAK/dpa/gms

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