Südafrika

Schützt Beschneidung vor Aids?

Bis zu vier Millionen Menschenleben könnten in den nächsten zehn Jahren in Afrika vor Aids gerettet werden. Ein Forscherteam hat mit einer Studie gezeigt, daß die Ansteckungsgefahr nach einer Beschneidung erheblich sinkt.

Lesermeinungen zum Beitrag

22. August 2006 17:55

Immer wieder beeindruckend

Lars Johannes (lars.johannes)

... was alles als Wissenschaft verkauft wird. Wie will man denn so eine Studie unter "kontrollierten Bedingungen" durchfuehren? Jeder der Probanden muss im Monat genau 10 Mal ungeschuetzten GV mit einer HIV-Positiven haben? Da das sicher nicht der Fall war, sind die beschriebenen Minimalunterschiede mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf unterschiedliches Verhalten der Probandengruppen zurueckzufuehren.

Selbst unter Optimalbedingungen waere ein Unterschied von 1,3% vs. 3,9% statistisch kaum belastbar (wenn man mal davon ausgeht, dass die Gruppe tatsaechlich in 1500:1500 aufgeteilt war).

Dann stellt sich natuerlich auch die Frage wie hoch der Prozentsatz an unsauber durchgefuehrten Beschneidungen ist, an denen die Beschnittenen sterben. Das koennte naemlich den ganzen positiven Effekt wieder kaputtmachen (wenn es den denn gaebe).

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21. August 2006 21:34

Oliver Schedlinsky (olli-1973)

Die "Studie" ist nun wirklich ein alter Hut.

Steht am Ende der Überschrift wenigstens noch ein Fragezeichen, so ist man - wem auch immer - am Schluss des Artikels völlig auf den Leim gegangen: "Als vorbeugende Maßnahme empfohlen". Wirklich? Wer denn?

In der Original-Pressemitteilung der WHO heißt es auch heute noch (Zitat):

"WHO, UNFPA, UNICEF and the UNAIDS Secretariat emphasize that their current policy position has not changed and that they do not currently recommend the promotion of male circumcision for HIV prevention purposes."

http://www.who.int/mediacentre/news/notes/2006/np18/en/index.html

Das Risiko einer HIV-Infektion lässt sich ganz banal erheblich reduzieren. Mit Kondomen - und gaz ohne männliche Genitalverstümmelung.

Die ist nämlich genau dort, wo die Studie erstellt wurde (Orange Farm) an der Tagesordnung:

http://www.cirp.org/news/natalwitness06-26-02/

Hätte man also doch lieber auf einschlägige Internetseiten (www.cirp.org, www.phimose-info.de) zurückgreifen sollen, anstatt dies (...) Jahr für Jahr wieder aus neue zu veröffentlichen, die ganze Debatte ist nämlich müßig weil Beschneidung eine HIV-Infektion eben nicht verhindert.

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13. Juli 2006 01:14

reingelegt

Carl Andersson (CAndersson)

Der Versuch, die Beschneidung als Allheilmittel zu verkleiden, ist schon einige Millenia alt. Die vermeintliche Schutzwirkung im Fall Aids ist im Vergleich zwar relativ neu, immerhin fast genau so alt wie die Krankheit selbst.

Die 'Forscher' in diesem Fall verweisen erneut auf die banale, alte Beobachtung, daß Aids sich weniger verbreitet in Afrika, wo Beschneidung am meisten praktiziert wird. Religieuse Überzeugung, insbesondere Islam, ist sowohl mit Beschneidung als auch Enthaltsamkeit assoziiert. Eine Vorgehensweise, um diesen Faktor zu berücksichtigen, haben die Autoren nicht vorgestellt.

Ein kurzer Zitat aus dem Artikel: 'Die Daten stammen aus einer Studie von Murdock (1967), aktualisiert von Bongaarts (1989) unter Berücksichtigung ethnischer Gruppen durch Wendell und Werker (2004) ....' Also alter Wein.

Erschreckend neu ist allerdings die Teilnahme der FAZ in der Darstellung des Organs der männlichen Sexualität als von der Natur her übertrieben, wenn nicht gänzlich verwerflich, als ob keiner diesen Rite als Verstummelung je betrachtet hätte. Der Leser, wenn nicht der Verfasser, hätte vielleicht gerne einen Hinweis auf die Meinung der anderen Seite, wie zB bei http://www.cirp.org oder http://www.phimose-info.de/ .

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12. Juli 2006 22:09

Bringt der Klapperstorch die Kinder, oder hilft ein Umzug auch gegen Aids?

André Mengel (andre-m)

Bildung und medizinische Grundversorgung sind unendlich viel wichtiger, als das Ergebnis dieser unseriös erscheinenden Studie.

Ich habe den starken Verdacht, daß es sich bei der geringeren Ansteckungsgefahr Beschnittener eher um ein soziales, als um ein medizinisches Phänomen handelt.

Wahrscheinlich ist die Ansteckungsrate in den Townships auch höher als in einer Villengegend, da könnte man dann ebenso zum Umzug raten, um eine Ansteckung zu verhindern.

Es wäre durchaus möglich, daß beide Faktoren mit einem dritten korellieren und nur von diesem abhängig sind, ähnlich dem statistischen Zusammenhang zwischen der Zahl der Störche und dem Wert der Geburtenrate.

Die Anweseinheit von Störchen ist eben auch nicht ursächlich für die erhöhte Geburtenrate, viel mehr leben Störche eher auf dem Land, wo die Geburtenrate einfach höher ist, als in der Stadt.

Hat das Forscherteam eine mögliche medizinische Begründung für die geringere Ansteckungsgefahr bei Beschnittenen?

Durch unwissenschaftliche Studien dieser Art werden nur Mythen gefördert und zementiert. Am Ende „beweist“ noch jemand auf diese Art, daß der traurige afrikanische Mythos, der Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau würde von Aids heilen, war ist.

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