06. Februar 2006 Eine Impfung mit abgetöteten Viren führt offenbar zu mehr Abwehrzellen, wenn man dafür sorgt, daß die Antigene dem Immunsystem schneller als bisher dargeboten werden. Dazu bedarf es einer größeren Menge jenes Proteins, das die viralen Antigene mit den Strukturen verbindet, über die dann der Kontakt mit dem Immunsystem hergestellt wird. Dieses Protein - ein molekularer Transporter mit der Kurzbezeichnung Tap - scheint demnach ein wirksames Hilfsmittel für die Verbesserung der Immunantwort zu sein.
Zu diesem Ergebnis sind Forscher um Timothy Vitalis von der University of British Columbia in Vancouver gekommen. Es könnte sich also um ein neues, effektiveres Adjuvans handeln. Durch den Zusatz dieses Proteins ließ sich die bei Mäusen für eine angemessene Immunisierung notwendige Dosis eines Impfstoffs auf ein Hundertstel reduzieren. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abwehrzellen deutlich an.
Interesse trotz fehlendem Test am Menschen
Dem Impfstoff wurde nicht das eigentliche Protein zugesetzt, sondern die Bauanleitung dafür. Die Synthese des Proteins erfolgte erst im Körper der geimpften Tiere. Obwohl diese Strategie beim Menschen noch nicht erprobt worden ist und noch nicht einmal klar ist, wie die Details einer klinischen Prüfung aussehen könnten, ist das Interesse daran groß.
Das hat zwei Gründe. Zum einen zeigen die in der Internetzeitschrift Plos Pathogens veröffentlichten Ergebnisse, daß ein begrenzender Schritt der bisherigen Impfstrategien offenbar jener Vorgang ist, bei dem die viralen Antigene dem Immunsystem vorgezeigt werden. Es könnte also auch noch andere, unbekannte Engpässe bei der Präsentation der Antigene geben, was weiteren Spielraum für Verbesserungen ergäbe.
Reduktion der Dosis steigert Verträglichkeit
Zum anderen könnten die Ergebnisse der kanadischen Forscher bald auch einen höchst praktischen Nutzen haben. Falls sich das neue Adjuvans in klinischen Versuchen als wirksam erweist, wäre durch seinen Zusatz eine starke Verdünnung des Impfstoffs möglich. In Zeiten drohender Epidemien - etwa bei einer auf den Menschen übergegangenen Vogelgrippe - könnten dadurch erheblich mehr Menschen mit der gleichen Menge an Impfstoff geimpft werden als bisher. Eine drastische Reduktion der Dosis würde zudem die Verträglichkeit des Impfstoffs steigern, was einer erheblichen Verbesserung gleichkäme.
Text: F.A.Z., 07.02.2006, Nr. 32 / Seite 34
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