Von Martina Lenzen-Schulte
02. Juli 2008 Mehr als achtzehn Millionen Menschen weltweit haben sich bereits ihre Fehlsichtigkeit - meistens Kurzsichtigkeit - mit einer Laserbehandlung der Hornhaut korrigieren lassen. Das inzwischen am häufigsten angewandte Verfahren ist die Laser In Situ Keratomileusis oder Lasik. Als unlängst auch die amerikanischen Streitkräfte und die Nasa davon abrückten, Piloten und Astronauten nach einer Lasik-Behandlung abzuweisen, galt dies vielen als das endgültige Prüfsiegel für die Sicherheit des Verfahrens, zumal in den Vereinigten Staaten.
Selbst die Gefahr der Hornhautausbeulung lässt sich nach einer Lasik-Behandlung offenbar bannen, weil man die Risikofaktoren wie Abnormalitäten der Hornhaut genauer einzugrenzen vermag. Auf diese Forstschritte weist jetzt Roy Chuck vom renommierten Wilmer Eye Institute in Lutherville/Maryland der Fachzeitschrift Current Opinion in Ophthalmology (Bd. 19, S. 307) hin.
Selbst bei stark kurzsichtigen Patienten kaum Komplikationen
Vor der Hornhautausbeulung wurde von Anfang an gewarnt, da das Laserverfahren die mechanische Stabilität der Hornhaut beeinträchtigt. Zur Behandlung der Kurzsichtigkeit gilt es, die Hornhautoberfläche abzuflachen. Hierzu schneidet man mit einem feinen Messer oder dem Laser ein Hornhautläppchen ein, klappt es zur Seite, höhlt die Hornhaut von innen mit dem Laser millimetergenau aus und legt das Läppchen wieder auf. Je höher die Kurzsichtigkeit, desto mehr Hornhautgewebe muss man aber abtragen und das feine Häutchen mechanisch schwächen, damit sich die Oberfläche ausreichend abflacht.
Ob dieser Eingriff wirklich die Ursache einer Ausbeulung ist, weiß man aber bisher nicht sicher. Die genaue Zahl der Ausbeulungen, von denen im Laufe der Jahre in Fachzeitschriften berichtet wurde, ist nicht bekannt. Man schätzt, dass die Komplikation mindestens einmal unter mehreren hunderttausend Lasik-Behandlungen vorkommt. Damit ist es ein extrem seltenes Ereignis nach der Therapie, was inzwischen auch zahlreiche Studien bestätigen.
Vor kurzem belegte zudem eine Untersuchung aus den Universitätsaugenkliniken in Alicante und Ankara, dass die Lasik-Therapie selbst bei stark kurzsichtigen Patienten gute Ergebnisse zeigt und es kaum Komplikationen gibt. Diese Patienten galten stets als am meisten gefährdet, da bei ihnen besonders viel Hornhautgewebe abgetragen werden musste, um das Ausmaß der Kurzsichtigkeit zu korrigieren.
Operationskandidaten von Anfang an sorgfältig beobachten
Das wird jetzt viele Patienten ebenso beruhigen wie die jüngsten Ergebnisse zu Netzhauterkrankungen nach dem Lasereinsatz. Weder löst sich die lichtempfindliche Netzhaut beim Lasik-Auge häufiger von ihrer Unterlage der hinteren Augapfelhälfte, noch gibt es bei Operationen zur erneuten Fixierung der Retina mehr Schwierigkeiten als bei jenen, deren Hornhaut unangetastet geblieben war.
Gleichwohl ist nach Meinung von Experten aus anderen Gründen der Zeitpunkt für völlige Entwarnung noch nicht gekommen. Überwiegend junge Menschen haben sich in den vergangenen fünfzehn Jahren die Hornhaut richten lassen. Sie kommen erst in den nächsten Jahrzehnten in das Alter, in dem sie wegen einer Linsentrübung eine Kataraktoperation benötigen werden. Clement Cheng von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore berichtete unlängst von einer ungewöhnlichen Instabilität der Wunde bei einem Lasik-Patienten nach einer Linsenoperation. Er empfiehlt, die Patienten für eine Laserbehandlung unter den Operationskandidaten von Anfang an sorgfältig zu beobachten, damit notfalls rasch andere Verfahren zur Anwendung gelangen, die solche Instabilitäten eher vermeiden.
Auf modernere Messverfahren zurückgreifen
Auch das Glaukom, das sich bei vielen durch einen erhöhten Augendruck im Inneren des Auges ankündigt, stellt die Augenspezialisten im Falle von Lasik-Patienten vor neue Schwierigkeiten bei der Früherkennung. Die übliche Messung des Augeninnendrucks gibt wegen der künstlich ausgedünnten Hornhaut dem Arzt fälschlich zu niedrige Druckwerte an.
Jedwede Suche nach Glaukompatienten, die eine Lasertherapie erhalten hatten, ist damit erheblich beeinträchtigt. Daher gibt es bereits die Empfehlung, auf modernere Messverfahren zurückzugreifen, die auch nach Lasik verlässliche Werte angeben. Zudem wird den Patienten ans Herz gelegt, den Arzt bei der Augendruckmessung auf die Vorbehandlung ihrer Hornhaut aufmerksam zu machen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS