Hörproben

Cecilia Bartoli singt Kastratenarien

10. Oktober 2009 Rund 200 Jahre lang war es in den europäischen Musikmetropolen unvorstellbar, auf das Virtuosentum der Kastraten zu verzichten: von Männern also, denen in Früher Jugend das Geschlecht und damit Identität, seelisches Gleichgewicht und ein in geregelten Bahnen verlaufendes Leben geraubt wurden, damit aus den verstümmelten Knaben Musikinstrumente von nie gehörter Pracht geschaffen werden konnten.

Um sich heute eine Vorstellung von dieser Klangwelt zu verschaffen, müssen wir Interpreten in das musikalische Kleid von Kastraten schlüpfen lassen. So haben Countertenöre und Frauenstimmen das Repertoire dieser in Sopran- und Altlage singenden Künstler für sich entdeckt.

Wir stellen hier eine historische Hörprobe des letzten Kastraten, Alessandro Moreschi, vor und stellen ihr einige Beispiele aus einem aktuellen Album der Opernsängerin Cecilia Bartoli gegenüber, die einige Arien der Kastraten interpretiert.

Bildmaterial: Decca; Uli Weber

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Der letzte Kastrat

Alessandro Moreschi singt Ave Maria

Er gilt als der letzte Kastrat, den sein Gesang berühmt machte: Alessandro Moreschi starb 1922. Hier ist ein kurzer Auszug aus „Ave Maria“ zu hören.

Hörprobe

Parto, ti lascio, o cara von Nicola Porpora (1686-1768)

Cecilia Bartoli singt Parto, ti lascio, o cara von Nicola Porpora (1686-1768)

Hörprobe

Come nave in mezzo allónde von Nicola Porpora

Cecilia Bartoli singt: Come nave in mezzo allónde von Nicola Porpora (1686-1768)

Hörprobe

Deh, tu bel Dio d´amore... Ov´è il mio bene? von Carl Heinrich Graun (Berlin 1746)

Cecilia Bartoli singt Deh, tu bel Dio d´amore... Ov´è il mio bene? von Carl Heinrich Graun (Berlin 1746)

Kastratensänger

Ein tiefer Schnitt für den Wohlklang

Unter der Regie von Gerard Corbiau, „Farinelli - Der Kastrat”, 1994

Übernatürlich hohe Stimmen waren im Barock beliebt. Den Part übernahmen Männer, die noch im Kindesalter unters Messer kamen: Kastraten. Ihr Gesang war engelsgleich, ihr Körper verstümmelt. Im 18. Jahrhundert wurden allein in Italien rund 500.000 Knaben entmannt. Das überlebten nicht alle von ihnen. Von Sonja Kastilan