Wissens-Dossier

Diagnose Krebs

Von Corinna Cramer, F.A.Z.-Archiv

30. September 2003 In Europa sterben täglich zweitausend Menschen an Krebs. Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich zählt man etwa 350.000 Neuerkrankungen, mit zunehmender Tendenz. Zwischen 1990 und 1998 haben die Krankheitsfälle bei Männern um elf, bei Frauen um sieben Prozent zugenommen. Erklären läßt sich dies durch die veränderte Altersstruktur in der Gesellschaft. Es gibt immer mehr ältere Menschen und daher einen Anstieg an altersbedingten Krebserkrankungen. Dementsprechend hat sich auch die Häufung bestimmter Krankheitsbilder verändert. War lange Zeit Lungenkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern, so haben sich die Zahlen in Richtung Prostatakrebs verschoben. Frauen erkranken am häufigsten an Brust- und Gebärmutterkrebs, in zunehmenden Fällen auch an Lungenkrebs. Ein Grund hierfür ist wohl die Tatsache, daß immer mehr Frauen rauchen. An dritter Stelle in der deutschen Krebsstatistik liegen bei beiden Geschlechtern Krebserkrankungen im Dick- oder Dünndarm.

Man geht davon aus, daß Krebs durch eine genetische Fehlsteuerung entsteht. Am Ende einer Reihe komplizierter Ereignisse steht eine entartete Zelle. Die Auslöser sind vielfältig. Neben Faktoren, welche die meisten Menschen wenig bis gar nicht beeinflussen können, wie etwa einer erblichen Vorbelastung, einer Virusinfektion, den Kontakt mit krebsauslösenden Chemikalien, begünstigt jedoch auch der alltägliche Lebenswandel und der oft gedankenlose Umgang mit der eigenen Gesundheit die Entstehung von Krebs. Nachlässigkeit bei der Nutzung von medizinischen Einrichtungen zur Früherkennung, eine falsche Ernährungsweise, ein zu intensives und ungeschütztes Sonnenbaden und vor allen Dingen das Rauchen stehen längst nicht mehr nur im Verdacht, Krebs auszulösen.

Wer sich ballaststoffreich und ausgewogen ernährt mindert das Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Neben der Bildung von Tumoren in der Lunge steht Tabakkonsum auch im Zusammenhang mit Erkrankungen im Mund-, Nasen- und Rachenraum, in Kehlkopf, Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse, Leber, Niere und Harnblase auf. Untersuchungen deuten darauf hin, daß jugendliche Raucherinnen ein bis zu dreimal höheres Brustkrebsrisiko haben als Nichtraucherinnen. In vielen Fällen hängen die Überlebenschancen für Krebs davon ab, wie früh ein Tumor erkannt wird. Statistisch erkrankt etwa jeder achte Mann im Alter zwischen 50 und 60 Jahren in Deutschland an Prostatakrebs, bei fast einem Drittel mit tödlichen Folgen. Nur etwa 15 Prozent der betroffenen Altersgruppe nutzt die entsprechenden Vorsorgemöglichkeiten. Im Unterschied zu Frauen, die es gewohnt sind und dazu angehalten werden, schon frühzeitig und regelmäßig gynäkologische Untersuchungen in Anspruch zu nehmen, sind Männer im Umgang mit ihrem Körper in dieser Beziehung fast sträflich nachlässig.

Krebs kann jeden betreffen und geht jeden etwas an. Dieses Dossier bietet Informationen zu einer Vielzahl von Fragen rund um das Thema. Die Autorinnen und Autoren der F.A.Z. berichten über verschiedene Krankheitsbilder, Trends in Forschung und Therapie. Sinn und Zweck einzelner Vorsorgemaßnahmen werden diskutiert. Buchempfehlungen und Internetlinks runden das Informationsangebot ab.

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