03. Mai 2008 Spezielle Gleitmittel zur Erleichterung der Geburt, wie sie in der Tiermedizin seit langem gebräuchlich sind, scheinen sich auch in der Humanmedizin zu bewähren. Hinweise auf den klinischen Nutzen liefern zumindest die Ergebnisse einer neuen Studie, die Schweizer Wissenschaftler um den Gynäkologen Andreas Schaub aus Zürich und seine Kollegin Verena Geissbühler von der Frauenklinik am Kantonsspital in Frauenfeld vorgenommen haben.
Der Gedanke, den Geburtskanal mit gleitfähigen Stoffen leichter passierbar zu machen, ist in der Frauenheilkunde nicht neu. Schon die alten Römer hätten gebärenden Frauen zu diesem Zweck Olivenöl in die Scheide gerieben, erklärt Schaub in einem Gespräch. Diese altertümliche Praxis berge aber erhebliche Risiken. So gelange Öl leicht in den Blutstrom der Mutter oder auch in die Lungen des Kindes, was zu schweren Komplikationen führen könne, etwa zu Embolien.
Forscher: Geburtsdauer kann um rund ein Drittel verkürzt werden
Die Schweizer Forscher haben ein hochvisköses synthetisches Gel entwickelt, das sowohl sicher als auch nützlich zu sein scheint. Das geht zumindest aus ihrer jüngsten Untersuchung hervor, an der 183 erstgebärende Frauen beteiligt waren. Kurz nach Beginn der Geburtswehen verabreichten die Ärzte einer Hälfte der Teilnehmerinnen das neue Gel, während sie bei der anderen Hälfte, der Vergleichsgruppe, hierauf verzichteten. Wie die Autoren in der Online-Ausgabe des Journal of Perinatal Medicine“ (doi:10.1515/ JPM.2008.024) berichten, kamen die Kinder der mit dem Gleitmittel behandelten Frauen rund eineinhalb Stunden früher zur Welt. Dies entsprach einer Verminderung der Geburtsdauer um rund ein Drittel.
Die Anwendung des Gels führte nicht nur zu einer rascheren, sondern auch zu einer schonenderen Entbindung. So erlitten die Frauen dieses Kollektivs viel seltener geburtstypische Folgeschäden, etwa Dammrisse, als jene der Vergleichsgruppe. Auf das Gel zurückzuführende Komplikationen sollen weder bei den Müttern noch ihren Kindern aufgetreten sein. Zweifelsfreie Angaben über die Sicherheit und die Wirksamkeit des neuen Verfahrens sind freilich erst möglich, wenn die Ergebnisse größerer Studien vorliegen.
Text: F.A.Z., N.v.L.
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