Von Nicola von Lutterotti
13. Mai 2008 Dass ein ungesunder Lebensstil der Entstehung arteriosklerotischer Herzleiden, darunter Angina pectoris und Herzinfarkt, den Weg bereitet, gilt als hinreichend belegt. Kein Zweifel besteht vor allem an dem schädlichen Einfluss des Rauchens und mangelnder Bewegung. Weniger klar ist demgegenüber, wie sich die Ernährung auswirkt. Zwar mehren sich die Hinweise darauf, dass eine mediterrane Kost vor arteriosklerotischen Gefäßschäden schützt. Ob das auf den erhöhten Verzehr von gesunden oder eher den weitgehenden Verzicht auf ungesunde Speisen zurückgeht, ist indes unklar.
Ebenfalls strittig ist, ob die Ernährung die Gefäßalterung vorwiegend indirekt beeinflusst, etwa über das Körpergewicht und den Blutdruck. Für mehr Klarheit sorgen Erkenntnisse, die Forscher um Eberhard Windler und Birgit-Christiane Zyriax vom Zentrum für Innere Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Heiner Boenig vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke vor einiger Zeit erzielt haben.
30 Prozent niedrigeres Riskio durch 100 Gramm pflanzliche Kost
Offenbar spielt der Speisezettel eine viel bedeutsamere Rolle bei der Entstehung arteriosklerotischer Herzleiden - in der Fachwelt werden diese unter dem Oberbegriff koronare Herzkrankheiten zusammengefasst -, als weithin angenommen. Auch scheinen die Ernährungsgewohnheiten auf das Herz-Kreislauf-System nicht nur indirekt, sondern auch direkt einzuwirken. Das schließen die Forscher aus einer Untersuchung an 200 Frauen mit erstmals diagnostizierter koronarer Herzkrankheit und 250 gesunden Probandinnen gleichen Alters und Gewichts. Zwischen den Gruppen gab es auffällige Unterschiede in der Ernährungsweise (Der Internist, Bd. 48, S. 1309, und Der Kardiologe, Bd. 1, S. 114). So verzehrten die Patientinnen mit koronarer Herzkrankheit viel Fleisch und Wurst, während die anderen mehr Obst, Gemüse und Salat zu sich nahmen.
Der erhöhte Fleischkonsum war mit einem Anstieg des Erkrankungsrisikos auf das rund Vierfache verbunden. Dieser Effekt ließ sich nur zur Hälfte auf das - durch eine solche Ernährungsweise bedingte - häufige Übergewicht und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes und Bluthochdruck zurückführen. Insofern scheinen fleischhaltige Speisen auch auf anderen Wegen die Gefäßalterung zu beschleunigen. Im Gegensatz hierzu war bei den Frauen, die vegetarische Kost bevorzugten, das Herzinfarktrisiko deutlich vermindert.
Bei einem Verzehr von rund 100 Gramm pflanzlicher Kost am Tag verringerte sich diese Gefahr um rund 30 Prozent. Die gesundheitsfördernde Wirkung der vegetarischen Nahrung erwies sich zudem als weitgehend unabhängig von den kardiovaskulären Risikofaktoren. Somit scheint die Entstehung der Arteriosklerose sowohl mit dem Verzehr von viel Fleisch als auch dem Verzehr von wenig Obst und Gemüse zusammenzuhängen.
Nachhaltig das Risiko mindern durch gesunden Lebensstil
Nach Ansicht der Autoren kann vegetarische Nahrung die Blutgefäße möglicherweise über einen direkten Einfluss vor arteriosklerotischen Schäden bewahren. Welcher Art dieser Mechanismus ist und über welche Stoffe er vermittelt wird, lässt sich aus der Studie nicht ablesen. Für Windler kommen etliche Substanzen in Betracht. Denn ein an Obst und Gemüse reicher Speisezettel enthalte in aller Regel auch andere gesunde Lebensmittel, etwa Olivenöl und Vollkornkost. Und umgekehrt ernährten sich Personen mit einer Vorliebe für Fleisch und Wurst allgemein weniger vorteilhaft - unter anderem, weil Fleischgerichte meist in Fett gebraten und mit fettreichen Saucen serviert werden.
Nach den Worten des Hamburger Forschers hat sich wieder einmal gezeigt, wie viel der Einzelne zu seiner Gesundheit beitragen kann. Mit Medikamenten könne man das Risiko, am Herzen zu erkranken, zwar vermindern. Nachhaltiger senken lasse es sich allerdings durch einen gesunden Lebensstil. Darauf sollte der Arzt seine Patienten ausdrücklich hinweisen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sich die Betroffenen voll auf die Arzneimitteltherapie verlassen und in falscher Sicherheit wiegen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS
