Organtransplantationen

American Way bei Organspende

Von Joachim Müller-Jung

“We think big now“: Amerika in der “Aufwärtsspirale“ des Lernprozesses

"We think big now": Amerika in der "Aufwärtsspirale" des Lernprozesses

31. Mai 2007 Der Kontrast hätte nicht größer ausfallen können: Wenige Minuten zuvor noch hatte der polnische Chirurg Dariusz Patrzalek auf dem Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin über einen „Rückfall in die Verhältnisse vor fünfzehn Jahren“ geklagt, über folgenschwere Kampagnen der Politiker und Medien in seinem Land gegen Organtransplantationen und über niederschmetternde Organspenderaten in den meisten osteuropäischen Ländern.

Doch dann kam Kevin O'Connor von der New England Organ Bank in Boston, und er triumphierte mit einer Erfolgsgeschichte, sprach von einer „Aufwärtsspirale“ des Lernprozesses in den Kliniken und in der Bevölkerung. Um ein Drittel hat man in Amerika die Zahl der Organspender in nur vier Jahren gesteigert, von weniger als 6200 im Jahr 2002 auf nun mehr als 8000. Mittlerweile sind in den Vereinigten Staaten etwa 25 von einer Million Einwohnern zur Organspende nach dem Tod bereit.

Der europäische Organspendeausweis

„We think big now“, sagte O'Connor am Donnerstag in Berlin, während Patrzalek für die Osteuropäer ein düsteres Bild zeichnete. Die meisten Länder dort könnten nur ein bis vier Spender pro Million Einwohner vorweisen. Die Zahl der legalen Organspenden in Russland belaufe sich auf weniger als ein Drittel derjenigen in Polen.

Große Unterschiede gibt es durchaus auch in den etablierten Staaten der Europäischen Union. Das machte Eduardo Fernandez-Zincke von der EU-Kommission deutlich, der die von Gesundheitskommissar Markos Kyprianou angekündigten Pläne für einen europäischen Organspendeausweis sowie eine Richtlinie zur Standardisierung der Qualität und Sicherheit bei Organspenden erläuterte.

„Mehr Unterstützung für die Organspende“

Brüssel will vor allem um Vertrauen werben. Dies stand auch in den Vereinigten Staaten im Zentrum der Kampagne, die der ehemalige Gesundheitsminister Tommy Thompson vor vier Jahren begründete. Aufklärungskampagnen wie „Donate Life“ wurden aber von einem massiven, vor allem schnellen personellen Ausbau des Spender- und Transplantationssystems in den 58 landesweiten Koordinierungsstellen begleitet.

In den Kliniken von Los Angeles etwa, berichtete Tom Mone von „Onelegacy“, hat man die Zahl der „Koordinatoren“, die sich um die Operationen sowie die Betreuung der Angehörigen kümmern, um 220 Prozent auf 250 Mitarbeiter vergrößert. Günter Kirste, der Vorstand der DSO, machte keinen Hehl daraus, dass er sich von solchen Entwicklungen auch hierzulande einen Durchbruch verspricht.

Deutschland liegt mit fünfzehn Spendern pro Million Einwohner international an dreizehnter Stelle, für die 1400 Krankenhäuser im Land gibt es sechzig Transplantationskoordinatoren. Diese seien zu wenig eingebunden: „Wir brauchen mehr Unterstützung und mehr Mittel für die Organspende.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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