Krebs

Krebsimpfstoff beugt Genitalwunden vor

Von Joachim Müller-Jung

14. Juni 2006 Gardasil, der erste Krebsimpfstoff, der vor wenigen Tagen von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Prävention von Gebärmutterhalstumoren zugelassen worden ist, verhindert offenbar auch sehr effektiv Krebsvorstadien im vorderen Teil des Genitaltrakts.

Wie der Hersteller des Impfstoffs, Sanofi-Pasteur MSD, mitteilte, wurden entsprechende Ergebnisse der Phase-3-Studie auf der Jahrestagung der amerikanischen Krebsgesellschaft "Asco" präsentiert. Demnach schützt die Vakzine, die gegen die vier humanen Papillomvirenstämme (HPV) 6, 11, 16 und 18 gerichtet ist, zu annähernd hundert Prozent zumindest über den bisher überschaubaren Zeitraum von anderthalb Jahren vor möglicherweise gefährlichen Vulva- und Vaginalläsionen, die durch die Virusinfektion verursacht werden und in späteren Stadien zu Wucherungen führen können.

Die Ergebnisse stützen sich auf eine Studie mit mehr als 18.000 Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren. Die Zulassung von Gardasil für Europa wird in Kürze erwartet. Die HP-Viren 16 und 18 verursachen etwa zwei Drittel aller Gebärmutterhalstumore und mehr als neunzig Prozent der Genitalwarzen. Gebärmutterhalskrebs ist die zweithäufigste Krebsart bei Frauen, täglich sterben allein in Europa etwa 40 Frauen daran. Der nahezu hundertprozentige Schutz, den die neue Krebsvakzine verspricht, ist freilich nur wirksam, wenn die nötigen drei Injektionen vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht werden.



Text: jom / F.A.Z., 14.06.2006
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa