FAZ.NET-Spezial

Die Nobelpreise 2006

Die Nobelpreis-Medaille

Die Nobelpreis-Medaille

13. Oktober 2006 Die neuen Träger des Nobelpreises in den verschiedenen Disziplinen sind in den vergangenen Tagen ernannt worden. FAZ.NET beleuchtet die herausragenden wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der Preisträger. Berücksichtigt werden auch der alternative Nobelpreis und die sogenannten Ig-Nobelpreise für „unwürdige“ Forschung.

Friedensnobelpreis

Den diesjährigen Friedensnobelpreis teilen sich der Wirtschaftsprofessor Mohammad Yunus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen-Bank. Sie haben sich um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung „von unten“ verdient gemacht, befand das Nobelpreis-Komitee in Oslo. Die Bank vergibt sogenannte Mikrokredite an Kleinunternehmer, darunter besonders viele Frauen. Mit den zinslosen Kleinstkrediten sollen sie sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen können. Weil Millionen Menschen so aus der Armut ausbrechen können, trage das Projekt zu einem stabilen Friede bei. (Siehe: FAZ.NET-Spezial: Friedensnobelpreis 2006)

Literatur

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den türkischen Autor Orhan Pamuk. Ausgezeichnet, so heißt es in der Begründung, werde ein Autor, „der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat“. Es ist das erste Mal, daß ein Schriftsteller aus der Türkei den begehrten Preis erhält. Der 54jährige Autor hat sich vor allem mit historischen Romanen im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident einen Namen gemacht. In seiner Heimat sieht sich Pamuk politischen Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. Wegen „Herabwürdigung des Türkentums“ wurde der Autor vor Gericht gestellt, weil er in einem Interview gesagt hatte, in der Türkei seien „eine Million Armenier und 30.000 Kurden umgebracht“ worden. Der von der Europäischen Union heftig kritisierte Prozeß war Anfang des Jahres eingestellt worden. (Siehe: FAZ.NET-Spezial: Nobelpreis für Orhan Pamuk)

Wirtschaft

Bis in die späten sechziger Jahre hinein glaubten die Ökonomen, daß ein ganz einfacher Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation herrsche: Der Preis für sinkende Arbeitslosigkeit sei ein einmaliger Anstieg der Inflation, so die damalige Lehre. Dem diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreisträger Edmund S. Phelps ist die Erkenntnis zu verdanken, daß die Inflation auch von den Erwartungen der Unternehmen und Beschäftigten bezüglich der weiteren Entwicklung von Löhnen und Verbraucherpreisen abhängt. In seiner Forschung zeigte er außerdem, daß Vollbeschäftigung, Preisstabilität und Wachstum zwar zentrale Ziele der Wirtschaftspolitik sind, aber in bestimmten Fällen zwischen gegenwärtigen Vorteilen und Vorteilen für künftige Generationen abgewogen werden muß. (Siehe: Ökonomie-Nobelpreis für Edmund S. Phelps)

Chemie

Daß man heute recht gut verstehen kann, wie die in den Genen verschlüsselten Anweisungen gelesen und für die Zelle nutzbar gemacht werden, ist zum großen Teil den Arbeiten des amerikanischen Forschers Roger Kornberg zu verdanken. Für die Entschlüsselung dieser sogenannten eukaryontischen Transkription wurde der Professor der Stanford Universität in Kalifornien mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. (Siehe: Nobelpreis Chemie: Kopieren im Dienst des Lebens).

Physik

Die beiden Kosmologen George F. Smoot und John C. Mather erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Physik. Ihnen ist es gelungen, den Ursprung der kosmischen Hintergrundstrahlung sowie deren Verteilung im Universum zu ermitteln. Diese signalisiert unter anderem schon die heute zu beobachtende Verteilung der Galaxien. Durch ihre Entdeckung haben die neuen Preisträger praktisch Zweifel an der Urknall-Theorie, und damit an der Entstehung des Universums und seiner Geschichte ausgeräumt. Für die Entdeckung der Hintergrundstrahlung (1964) hatten Arno Penzias und Robert Wilson schon 1978 den Physik-Nobelpreis erhalten. (Siehe: Nobelpreis für Physik: Das Vermächtnis des Urknalls)

Medizin

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden amerikanischen Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello. Sie erhalten die Auszeichnung für ein Verfahren, mit dem sich Gene gezielt stumm schalten lassen. Mit dem genetischen Verfahren prüfen Biologen, welche Aufgaben eine Erbanlage im Organismus übernimmt. Diese sogenannte RNA-Interferenz schaltet das jeweils gewünschte Gen aus. Die Folgen dieser Prozedur zeigen dann, wofür es zuständig ist. (Siehe: Medizin-Nobelpreis: Blockierte genetische Botschaft)

Alternativer Nobelpreis

Die indische Frauenrechtlerin Ruth Manorama, der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter Daniel Ellsberg und das kolumbianische Poesie-Festival von Medellin teilen sich den Right Livelihood Award. Gewürdigt wird mit dem Preis Manoramas Einsatz für Frauen aus der Schicht der Unberührbaren, Ellsbergs Veröffentlichung geheimer Dokumente zum Vietnam-Krieg und das Eintreten des Poesie-Festivals gegen die Gewalt in der kolumbianischen Drogenhauptstadt Medellin. Der Ehrenpreis ging an den Brasilianer Chico Whitaker Ferreira für seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit in seinem Heimatland. (Siehe: Alternativer Nobelpreis: Kampf gegen Korruption, Kampf für Frauen- und Bürgerrechte gewürdigt)

Die Ig-Nobelpreise „der anderen Art“

Für eine elektromechanische Teenager-Abwehr, die Untersuchung der Schallgeschwindigkeit in Cheddar-Käse und die Erklärung, warum Spechte keine Kopfschmerzen bekommen, sind im amerikanischen Cambridge die Ig-Nobelpreise 2006 für „unwürdige“ Forschung vergeben worden. Mit den Auszeichnungen werden jedes Jahr Forschungsarbeiten bedacht, „die nicht wiederholt werden können oder besser nicht wiederholt werden sollten“. Insgesamt wurden im altehrwürdigen Sanders-Theater der Harvard-Universität zehn Preise vergeben. (Siehe: IG-Nobelpreise: Teenies drohen Ohrenschmerzen)

Text: FAZ.NET mit Material von DPA
Bildmaterial: AP

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Friedensnobelpreis

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Wirtschaftswissenschaften

Ökonomie-Nobelpreis für Edmund S. Phelps

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Nobelpreise

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Erfolgsverwöhnt: Wieder einmal Nobelpreisjubel in Stanford

Alle naturwissenschaftliche Nobelpreise gingen in diesem Jahr in die Vereinigten Staaten. Daß unter anderem deutsche Forscher in die Röhre schauten liegt weniger an der Qualität der Forschung als an einer schlechten Lobbyarbeit und fehlender Unterstützung.

Chemie

Kopieren im Dienst des Lebens

Nobelpreisträger Kornberg: “Der Anruf aus Stockholm war überwältigend“

Das ABC des Lebens, die Botschaft der Gene, wird mittlerweile recht gut verstanden. Zu verdanken ist das unter anderem dem Forscher Roger Kornberg. Für seinen Blick auf die Blaupausen der Erbsubstanz DNA hat er nun den Nobelpreis für Chemie erhalten.

Physik

Das Vermächtnis des Urknalls

Lachende Kosmologen: George F. Smoot (li.) und John C. Mather

Die diesjährigen Nobelpreisträger für Physik erbrachten den Beweis für den Ursprung der Kosmologischen Hintergrundstrahlung. Als Überbleibsel des Urknalls läßt ihre Verteilung im Kosmos die gesamte Geschichte des Universums verständlich werden.

Medizin

Blockierte genetische Botschaft

Zwei amerikanische Forscher bekommen den Medizinnobelpreis für ihre Entdeckung, daß jedes Gen mit einem Doppelstrang aus Ribonukleinsäure ausgeschaltet werden kann. Diese Steuerungsfunktion ermöglicht neue Therapien von Krankheiten.

Alternativer Nobelpreis

Gewürdigt: Kampf gegen Korruption, Kampf für Frauen- und Bürgerrechte

Jakob von Üxkull: Gründer der Right Livelihood Awards

Als eine Würdigung von „Gerechtigkeit, Wahrheit und das Engagement für den Frieden“, versteht die Jury der Alternativen Nobelpreise die diesjährigen Auszeichnungen, die nach Indien, Brasilien und in die Vereinigten Staaten gehen.

Nobelpreise der anderen Art

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Porträt

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