Von Thomas Klein
21. Januar 2003 The sale you've been waiting for, meint die Homepage der amerikanischen Firma Segway vorlaut. Gemeint ist das neue Gefährt des Unternehmens, das ab 1. März in den USA zu kaufen sein wird, den Segway Human Transporter, eine Art Motor Scooter auf zwei Rädern. Noch vor seiner Markteinführung muss der Elektroroller aber eine empfindliche Panne hinnehmen.
Die Stadt San Francisco hat nämlich als erste große Stadt in den USA das zweirädrige Gefährt auf den Bürgersteigen verboten. Wer sich den neumodischen Roller kauft muss damit auf der Straße fahren. Damit hat der Human Transporter aber sein eigentliches Hauptziel verfehlt. Denn als sein Erfinder, Dean Kamen, seine zunächst Ginger genannte Neuentwicklung im Dezember 2001 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, galt der Roller als das Allheilmittel für die von Autos verstopften Innenstädte. Mit 20 Kilometern in der Stunde locker und bequem auf dem Bürgersteig an den Blechlawinen vorbeirollen - so stellten sich die Erbauer des Rollers die Zukunft vor.
Roller von Gehwegen verbannt
Die Firma Segway hatte dafür in 33 Bundesstaaten innerhalb der letzten Monate eine Ausnahmeregelung für die Gehweg-Verordnung erwirken können. Auch der Staat Kalifornien gab grünes Licht für die Bürgersteigbenutzung. Allerdings räumte rund die Hälfte dieser Staaten den Städten und Gemeinden das Recht ein, den Roller von ihren Gehwegen zu verbannen. Vor allem Behinderten- und Seniorenverbände gingen wegen des Scooters auf die Barrikaden, sie fürchteten um die Sicherheit ihrer Klientel. Die Entscheidung der Stadtverwaltung San Franciscos dürfte deshalb kein Einzelfall bleiben.
Fährt der Besitzer des batteriebetrieben Rollers aber auf der Straße, ist der Vorteil des Human Transporters schnell dahin. Sich zwischen im Stau stehenden Fahrzeugen durchzuschlängeln macht keinen Spaß und ist viel zu gefährlich.
System von Computern und Sensoren
Bislang gibt es keine Reaktion von Segway auf die Entscheidung der Stadt San Francisco. Denn die Erwartungen in das Gefährt sind groß. Zwei Modelle soll es zunächst geben, eine Standardausführung und eine e Serie mit diversen Taschen und Sonderausstattung. Die Technik in dem Gefährt ist beachtlich: Der Fahrer steht auf einer Trittfläche und bewegt das 40 Kilogramm schwere Gefährt durch seine Gewichtsverlagerung, die von Sensoren registriert wird. Ein System von Computern und Gyroskopen übernimmt einen Großteil der Arbeit, indem es das Gleichgewichtsgefühl des Körpers simuliert. Vor allem die Gyroskope sind wichtig, die kleinen kreiselförmigen Sensoren gehören in der Automobilindustrie längst zum Standard und sorgen schon in den meisten Autos für eine stabile Navigation. Diese Sensoren messen bei dem Scooter über 100 Mal pro Sekunde das Zentrum der Schwerkraft des Körpers und melden diese Daten, die Richtung und die Geschwindigkeit an den elektrischen Motor und die Räder.
Hight Tech hat ihren Preis
Zum Losfahren und Lenken lehnt sich der Benutzer vorwärts, wenn er vorwärts will, rückwärts, wenn der Kurs geändert werden soll. Dazu gibt es am Lenker einen Griff für Rechts- und Linkskurven. Bremsen gibt es nicht. Ein ausgeklügeltes Balance-System verhindert im Zusammenspiel mit den Sensoren, dass der Human Transporter umkippen kann. Die kleinen Motoren an den Rädern laufen bis zu 24 Kilometer pro Aufladung. So viel High Tech hat Allerdings hat natürlich seinen Preis: Knapp 5.000 Dollar kostet das Standardmodell des Rollers. Und weil die Fahrt mit dem Scooter für Anfänger nicht ganz einfach ist, bietet die Herstellerfirma Trainingsseminare an.
In den vergangenen Monaten wurden die Roller bereits von Postboten und Polizisten benutzt. Nach Angaben des Herstellers sollen sich bei 100.000 Teststunden in Städten keine Unfälle ereignet haben. Die Ergebnisse der Testreihe konnten die Stadtväter San Franciscos aber nicht umstimmen. Ihr Verbot gilt.
Text: @tk
Bildmaterial: Segway