30. November 2005 Einige hundert Millionen Mal ist jeden Tag eine Melodie von Brian Eno zu hören, ohne daß Radio oder Fernsehen sie je spielten. Den beispiellosen Superhit kennt jeder, der mit dem Programm Word arbeitet. Die Melodie erklingt, sobald man den Computer hochgefahren hat. Nun zielt Eno auf ein noch größeres Publikum: Er ist beauftragt, die Hymne der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu komponieren.
Die größte Herausforderung ist Musik zu machen, die eineinhalb Milliarden Menschen interessiert, sagte er am Mittwoch in Berlin. Mit der Hymne wolle er den Begriff des Orchesters neu definieren. Premiere soll bei der Eröffnungs-Gala der WM am 7. Juni 2006 im Olympiastadion Berlin sein, zwei Tage vor dem ersten Spiel in München. Schlagzeilen dürfte der Brite mit der Bemerkung gemacht haben, daß er nicht Fan der englischen Auswahl, sondern der von Kamerun sei.
Eine Weltauswahl der Künstler
Andre Heller, Kopf des WM-Kulturprogramms und der vom Welt-Fußballverband Fifa veranstalteten Gala, präsentierte in Berlin sein Traum-Team für das Spektakel. Neben Eno und 13.000 Freiwilligen, die sich um 7.000 Plätze im Eröffnungsprogramm beworben haben, sind das Rockstar Peter Gabriel als Musikalischer Direktor, Regisseur Philippe Decoufle und Bühnenbildner Mark Fisher. Das ist, behauptete Franz Beckenbauer, als wenn du Maradona, Pele, di Stefano und Cruyff in einer Mannschaft spielen läßt.
Seit Mittwoch sind die Tickets für 100 bis 750 Euro im Verkauf - zu moderaten Preisen, wie Fifa-Generalsekretär Urs Linsi behauptete; auch Berliner sollen teilhaben können. Die Eintrittspreise entsprechen denen für Halbfinal-Tickets. Schlagen Sie sich die Idee aus dem Kopf von einer Starparade, sagte Heller. Die Gala werde ein eigenes Event fernab aller Klischees. Es werde von Fußball handeln. Obwohl das Programm noch nicht feststeht, wird bereits mit der Mitwirkung der Opernsängerin Jessye Norman, der Hip-Hop-Band Black Eyed Peas sowie dem algerischen Rai-Star Khaled geworben.
Die Gala soll zur Tradition werden
Peter Gabriel gab bei seiner Vorstellung den Rockstar. Die Anziehung ist für Musiker wie für Fußballspieler dieselbe, scherzte er, Geld, Sex und Drogen. Er sei Liverpool-Fan und hoffe, durch sein Engagement auch Karten für die WM zu bekommen. Heller verpflichtete ihn wegen seiner Geschichte als Entdecker und Förderer von Weltmusik. Sport und Musik überwänden alle Hürden, sagte Eno. Die Gala biete die Chance, das eine mit dem anderen zu verbinden. Alles wird Showbusiness am Ende, sagte Gabriel. Alles wird Kultur am Ende, sagte Eno.
Die Fifa will die Eröffnungs-Gala als festen Bestandteil von Weltmeisterschaften etablieren. Die Fernsehrechte seien noch nicht verkauft, sagte Linsi, das Interesse jedoch außerordentlich hoch. Die Gala solle eine Tradition begründen. Dafür sei die Fifa bereit zu einem Verlustgeschäft.
Text: mr. / F.A.Z., 01.12.2005, Nr. 280 / Seite 39
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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