Kommentar

Risikospiel

Von Cai Tore Philippsen

Lehmann war der Leidtragende der schwachen deutschen Abwehr

Lehmann war der Leidtragende der schwachen deutschen Abwehr

10. Juni 2006 Als die deutsche Mannschaft 2002 ins Finale der Weltmeisterschaft einzog, hatte sie ein Gegentor kassiert. Nach dem Eröffnungsspiel der Heim-WM 2006 sind es schon zwei. Und das Risikospiel von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Kombination mit dem Leistungspotential der deutschen Defensive lassen viele weitere Treffer befürchten.

Daß es dennoch ein erfolgreicher Eröffnungsabend im herrlichen Münchener Stadion wurde, ist den beiden Traumtoren von Philipp Lahm und Torsten Frings sowie dem überragenden Miroslav Klose und Costa Rica zu verdanken. Der erste Gegner wird aber der schwächste bleiben, dem die Nationalmannschaft bei diesem Turnier begegnet.

Hurrastil ohne Sicherheitsdenken

Schrecksekunde für Klinsmann

Schrecksekunde für Klinsmann

Schon gegen Polen und Ecuador werden die kapitalen Fehler in der Rückwärtsbewegung und die erschreckende Langsamkeit beim Umschalten härter bestraft. Und wenn dann in der K.o.-Runde die Großen kommen, deren Angreifer mindestens doppelt so schnell spielen wie Tico-Star Paulo Wanchope, muß jedem Fan angst und bange werden. Nicht jede Mannschaft wird vier deutsche Tore zulassen. „Blöde Ballverluste, ärgerliche Gegentore“, lautete der Kurzkommentar von Miroslav Klose.

Wieder sahen die Abwehrspieler Mertesacker, Metzelder und vor allem Friedrich unglücklich aus, wieder wurden sie von den Fehlern ihrer Vorderleuten in unnötige Bedrängnis gebracht. Zuschauern mit Herzschwäche sind die Spiele der deutschen Mannschaft nicht zu empfehlen. Die Risiken und Nebenwirkungen der vielen gescheiterten Versuche, den Gegner ins Abseits laufen zu lassen, bekam Torwart Jens Lehmann zu spüren. Wie schon im Testspiel gegen Japan sah sich die deutsche Nummer eins immer wieder einem allein heranstürmenden Angreifer gegenüber. Wie gegen Japan ging das Duell zweimal zugunsten des Stürmers aus. In seinen zwei Jahren im Amt ist es Klinsmann nicht gelungen, einen Mittelweg zwischen mitreißendem Hurrastil und notwendigem Sicherheitsdenken zu finden.

Wenn Michael Ballack in die Mannschaft zurückkehrt, könnte mehr Stabilität in das Mannschaftsgefüge kommen. Denn der Kapitän hatte zuletzt - nicht immer zur Freude des Bundestrainers - eine sichere Basis für das deutsche Spiel gefordert. Zwischen Ballack und Klinsmann gibt es ohnehin Gesprächsbedarf. Daß der Trainer ihn gegen seinen Willen nicht aufstellte, ließ den zukünftigen Londoner vor Wut kochen. Daß sein bester Spieler sich gegen jede Vernunft in aller Öffentlichkeit gesund gemeldet hat, brachte Klinsmann auf die Palme. Die wichtigste Beziehung im deutschen Team ist beschädigt. Auch daran wird bis zum Spiel gegen Polen zu arbeiten sein.

Text: phi
Bildmaterial: REUTERS

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23.12.2009 | 09:35
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