22. Februar 2006 Schoch vor Schoch: Erstmals seit 22 Jahren haben Brüder bei Olympischen Winterspielen Gold und Silber wieder unter sich aus gemacht. In einem Familiengipfel auf der Piste gewann der Schweizer Snowboarder Philipp Schoch am Mittwoch in Bardonecchia gegen seinen Bruder Simon den Parallel-Riesenslalom. Der 26jährige setzte sich in beiden Finalläufen gegen den ein Jahr älteren Weltcup- Spitzenreiter durch und wiederholte seinen Triumph von 2002.
Das Finale mit meinem Bruder war großartig. Ich bin so glücklich und sprachlos über meine zweite Goldmedaille, sagte Philipp Schoch. Simon war trotz der Niederlage alles andere als enttäuscht: Ein Traum ist für mich wahrgeworden. Zuletzt gab es 1984 einen Doppelerfolg durch Brüder. In Sarajewo holte sich Phil Mahre olympisches Gold im alpinen Slalom vor Bruder Steve. 1964 in Innsbruck hatten die französischen Schwestern Marielle und Christine Goitschel in Slalom und Riesenslalom je einmal Gold und Silber gewonnen.
Rockmusik und Kuhglockengeläut
Mit der Perfektion von Schweizer Uhrwerken hatten sich Philipp und Simon Schoch bei Rockmusik und Kuhglockengeläut bis ins Finale gewedelt und die Dominanz der Eidgenossen in dieser Disziplin bestätigt. Nach dem letzten Finallauf empfingen die Eltern ihre Söhne. Mama weinte, und Papa ist unheimlich stolz, berichtete Simon. Bronze holte sich Siegfried Grabner, der das kleine Finale gegen den Franzosen Mathieu Bozzetto gewann. Dritter hinter der Schoch-Family zu sein ist auch schon klasse, meinte der Österreicher.
Die deutschen Starter hatten nichts mit der Entscheidung zu tun. Markus Ebner aus Ingolstadt kam in der Qualifikation in 1:12,22 Minuten überraschend nur auf Platz 17 und fuhr um 0,07 Sekunden an der Runde der besten 16 vorbei. Olympia-Debütant Patrick Bussler aus Lenggries rangierte an 19. Stelle. Ich war vor dem ersten Lauf sehr nervös. Ich habe da oben gestanden wie ein nasser Hund, meinte der 21jährige.
Ich bin froh, daß es vorbei ist
Immerhin war er besser als der kanadische Weltmeister Jasey Jay Anderson, der hinter ihm auf Platz 20 landete. Der 35jährige Ebner hatte für das letzte Rennen seiner Karriere auf Platz acht gehofft, erreichte aber beim Saisonhöhepunkt sein schwächstes Resultat. Vergeblich hatten seine Frau Angelika und Sohn Niklas ihn von der Tribüne angefeuert. Es war ein schönes Erlebnis zum Abschluß, auch wenn ich mir ein anderes Ergebnis vorgestellt hatte. Es gibt Schlimmeres, meinte der Weltmeister von 1999.
Ich bin froh, daß es vorbei ist. Es waren zehn schöne Jahre, meinte Ebner, der sich nun voll auf seine Handelsniederlassung und seine Familie konzentriert. Bundestrainer Uwe Beier sah für den deutschen Snowboard-Pionier ohnehin keine Möglichkeit mehr, in die Weltspitze einzugreifen. Die Schochs haben konstant zugelegt, Markus konstant abgebaut. Als Hobbyfahrer hat man keine Chance.
Ausgerechnet Nesthäkchen Amelie Kober soll nun für die deutschen Snowboarder die Bilanz aufpolieren. Die 18jährige ist die einzig verbliebene Medaillen-Hoffnung. Nach dem bislang enttäuschenden Abschneiden richten sich alle Erwartungen vor dem Parallel- Riesenslalom der Damen am Donnerstag auf die Jüngste im Team. Das macht es für Amelie nicht leichter, sagte Beier.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP
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