Indien

Zwischen Resignation und Überheblichkeit

Von Jochen Buchsteiner

Wer durch das anstrengende Indien reist, muß sich nicht noch literarisch beschweren. Am besten läßt er sich von Shashi Tharoor begleiten und seiner Liebesgeschichte „Aufruhr“, die im vergangenen Jahr in deutscher Übersetzung bei Insel erschienen ist. Obwohl Tharoor seit vielen Jahren bei den Vereinten Nationen in New York verbeamtet ist (und von manchen sogar als Nachfolger Kofi Annans gehandelt wird), atmet sein Buch nicht die Spur von Bürokratengeist.

Unbegreifliche Sozialstrukturen

Frisch und temperamentvoll protokolliert es den mysteriösen Tod einer jungen Amerikanerin, die in einem „Frauenprojekt“ im Norden Indiens gearbeitet hat. Dabei nimmt Tharoor den Leser mit auf eine Entdeckungsreise ins Innere der indischen Gesellschaft.

Indien: für Westler unbegreifliche Sozialstrukturen

Indien: für Westler unbegreifliche Sozialstrukturen

Unterhalten von der tragischen Liebe zweier Seelenverwandter, die ihrer Herkunft wegen nicht zusammenkommen können, erfährt der Leser mehr über Land und Leute als aus den meisten Sachbüchern. Die für Westler unbegreiflichen Sozialstrukturen, die blutigen Religionskonflikte, das zwischen Resignation und Überheblichkeit schwankende Selbstverständnis der Inder - all das Verstörende dieses fremden Kontinents wird auf anregende Weise erhellt. Daß man das Buch am Ende nicht mit dem Gefühl zuklappt, große Literatur gelesen zu haben, verzeiht man dem Autor gerne.



Buchtitel: Aufruhr
Buchautor: Shashi Tharoor

Text: F.A.Z. vom 6. Juli 2003
Bildmaterial: picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb, Verlag