Bis vor kurzem sah es nicht so aus, als wenn sich ein wesentlicher Teil der Bevölkerung gegen die Schweinegrippe impfen lassen würde. Jetzt schlägt die Stimmung offenbar um: Die Menschen passen ihre Meinung vorsorglich an die vermutete Mehrheitsmeinung an. Von Jörg Albrecht
Die Bundesregierung will den Kampf gegen die Schweinegrippe verbessern. Wichtig ist jetzt, dass die Industrie den Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stellt, sagte Gesundheitsminister Rösler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die Zahl der mit Schweinegrippe infizierten Menschen steigt in Deutschland sprunghaft an. Gesundheitsminister Rösler wirbt um Vertrauen in das Vorgehen der Behörden im Kampf gegen die Krankheit. Die Produktion des Impfstoffes, der zeitweise nicht mehr vorhanden war, sei erhöht worden.
255.000 Ukrainer weisen grippeartige Symptome auf. 71 sind gestorben. Ob es sich bei den Erkrankungen um die Schweinegrippe handelt, ist unklar. Nun werden Mediakamente knapp. Präsident Juschtschenko rief auf, der Ukraine zu helfen. Von Konrad Schuller
Er ist der dritte deutsche Spitzensportler: Thomas Haas ist an der Schweinegrippe erkrankt. Der Tennisspieler hatte erst an eine normale Grippe geglaubt, doch dann kamen ihm Zweifel. Die Diagnose sei dann ein Schock für Haas gewesen.
Die Gefahr durch die Schweinegrippe rückt näher, doch sie bleibt für die Mehrheit virtuell. Unter den Ärzten gibt es nicht wenige Impfskeptiker. Das neue Argument, das gegen sie angeführt wird, ist moralischer Natur. Jeder ungeimpfte Infizierte ist eine Brutstätte für den Erreger. Wer impft, dient dem Gemeinwohl. Von Joachim Müller-Jung
Viele Deutsche lassen sich nicht gegen Schweinegrippe impfen, weil sie lebensbedrohliche Nebenwirkungen fürchten. Tatsächlich starben in Schweden bisher fünf Menschen in einem Zeitraum bis zu vier Tagen, nachdem sie ihre Impfdosis erhalten hatten. Allerdings: Statistisch gesehen ist das ganz normal. Von Sonja Kastilan
Nachdem erstmals eine Patientin ohne Vorerkrankung in Deutschland an der Schweinegrippe gestorben ist, erwarten Fachleute nun weniger Impfskepsis. Gesundheitsministers Rösler (FDP) hält die normale Herbstgrippe derzeit noch für gefährlicher als die Schweinegrippe.
In Deutschland sind mindestens zwei weitere Menschen an der sogenannten Schweinegrippe gestorben. Darunter ist erstmals eine Frau, die offenbar allein den Folgen der neuen Influenza erlag. Wo sich die Frau angesteckt habe, ist unklar.
Wegen steigender Zahlen von Schweinegrippen-Erkrankungen hat Präsident Obama den nationalen Notstand erklärt. Das geschah, um Krankenhäusern die Möglichkeit zu geben Noteinrichtungen zu schaffen und erlaubt weitere Ausnahmeregelungen.
Wenn der Boulevard zu rechnen beginnt: Bei der Schweinegrippe sind nicht Viren das Problem, sondern die frei im Raum schwebenden Zahlen über die Risiko- und Todesfälle. Der Unwille zu seriösem Nachrechnen hat in ein Informationschaos geführt. Von Gerd Antes
Der Streit um die Schweinegrippeimpfstoffe hat das Impffieber in Deutschland steigen lassen. Politische Tollpatschigkeit und Spekulationswut trieben die Temperatur. Nun muss sich zeigen, ob dieser Fieberschub der ohnehin gedämpften Impflust der Deutschen weiter geschadet hat. Von Joachim Müller-Jung
Der von der hessischen Landesregierung eingekaufte Impfstoff Pandemrix hat zwar etwas mehr Nebenwirkungen“ als die vom Bundesinnenministerium für die Politiker in Berlin bestellte Substanz. Aber er bietet Vorteile, wie ein Virologe meint. Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden
Das Drehbuch hatte die perfekte Dramaturgie: Da wird das Volk angeblich einem dubiosen Impfkartell ausgeliefert, und die Politik sitzt an den Schalthebeln. Doch es gibt keinen einzigen seriösen Hinweis für eine Zwei-Klassen-Medizin oder sonstige Verschwörungstheorien. Von Joachim Müller-Jung
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