Schweinegrippe

Wallfahrt wider alle Viren

Am Flughafen Dscheddah wurde jeder Pilger zur Begrüßung an Wärmebildkameras vorbeigeschleust

Am Flughafen Dscheddah wurde jeder Pilger zur Begrüßung an Wärmebildkameras vorbeigeschleust

25. November 2009 Eigentlich hätten die Regierungen der islamischen Welt ihre Bürger zu ermuntern, nach Mekka zu pilgern und damit eine religiöse Pflicht zu erfüllen. In diesem Jahr aber ist alles anders. Am weitesten hatte sich Tunesien vorgewagt. Das Land hat den Reiseveranstaltern aus Furcht, die Schweinegrippe könnte sich im eigenen Land ausbreiten, verboten, Pilger nach Saudi-Arabien zu bringen. Viele andere Staaten rieten ihren Bürgern zumindest, die Wallfahrt, die jeder Muslim einmal im Leben machen sollte, doch auf ein anderes Jahr zu verschieben.

Sogar das Königreich Saudi-Arabien, dessen König den Titel "Herrscher der beiden heiligen Stätten" (Mekka und Medina) trägt, entzog sich dem Sog nicht. Die Reiseveranstalter berichten, dass sich in diesem Jahr 40 Prozent weniger Muslime, die saudische Bürger sind oder in Saudi-Arabien leben, nach Mekka aufgemacht haben. Wer sich dennoch nicht abhalten lassen wollte, musste eine Impfung gegen die Schweinegrippe nachweisen. Pilgern, die aus einem anderen Land eingereist sind, ist die Impfung lediglich empfohlen worden.

Massenzusammenkünfte führen zu maximaler Ausbreitung

Ausgefallen ist die Pilgerfahrt aber nicht. Wo sich sonst bis zu drei Millionen Menschen während der Pilgerfahrt drängen, die am Donnerstag mit dem gemeinsamen Gebet auf dem Berg Arafat ihren Höhepunkt findet, kommen im Jahr der Schweinegrippe jedoch nur knapp zwei Millionen Pilger aus aller Welt zusammen.

Wer am Flughafen Dscheddah oder dem Seehafen der Stadt am Roten Meer angekommen war, wurde zur Begrüßung an Spezialkameras vorbeigeschleust, die die Temperatur der schon in das weiße Pilgertuch gekleideten Einreisenden maßen. Saudi-Arabien, das für einen geregelten Ablauf der Hadsch weder Kosten noch Mühen scheut, teilte in diesem Jahr 600 000 Gesichtsmasken aus und 1,2 Millionen Beutel mit anderen Vorsorge-Utensilien. Im Einsatz für die Pilger stehen 15 000 medizinische Helfer des staatlichen Gesundheitsdienstes. In den Krankenhäusern in und um Mekka und Dscheddah sind zusätzliche Hunderte Betten aufgestellt worden. An zahlreichen Stellen können bei Verdacht auf Schweinegrippe Tests vorgenommen werden.

Während der Hadsch starben vier Pilger an der Grippe, drei Muslime im Alter von jeweils 75 Jahren aus Marokko, Sudan und Indien sowie ein 17 Jahre altes Mädchen aus Nigeria. Auch Wissenschaftler hatten den Pilgern geraten, die Hadsch zu verschieben. Im Juni hatten sich unter Leitung eines Spitzenbeamten aus dem saudischen Gesundheitsministerium Mediziner aus Europa und den Vereinigten Staaten, aus dem Nahen Osten und China getroffen, um Vorsorgemaßnahmen gegen eine Ausbreitung der Schweinegrippe während der Hadsch zu treffen.

Kurz vor dem Beginn der Pilgerfahrt hat die britische Fachzeitschrift "The Lancet" die Studie veröffentlicht. Darin heißt es, dass Massenzusammenkünfte wie die Pilgerfahrt, bei der sich zeitweilig sieben Personen auf einem Quadratmeter aufhalten, zu einer maximalen Ausbreitung der Krankheit führen können. Viele Regierungen haben daher ihren Bürgern dazu geraten, sich diesem Risiko nicht auszusetzen.

Text: Her., F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, epa, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Medikamente günstig einkaufen Preisvergleich für Medikamente und Apotheken-Produkte. Mehr als 90 Apotheken im Vergleich.

Massenzusammenkünfte wie die Pilgerfahrt können zu einer maximalen Ausbreitung der Krankheit führen600.000 Gesichtsmasken aus und 1,2 Millionen Beutel mit anderen Vorsorge-Utensilien wurden verteiltWo sich sonst bis zu drei Millionen Menschen drängen, kommen im Jahr der Schweinegrippe nur knapp zwei Millionen Pilger zusammen600.000 Gesichtsmasken wurden für die Pilger verteiltJeder Muslim sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern Die Zeltstadt für die Pilger in MinaBei Verdacht auf Schweinegrippe werden Tests vorgenommenViele Staaten rieten ihren Bürgern, die Wallfahrt auf ein anderes Jahr zu verschiebenIn den Krankenhäusern in und um Mekka und Dscheddah sind zusätzliche Hunderte Betten aufgestellt worden