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Schweinegrippe

Plötzlicher Tod eines Kindes nach Infektion

Die Nachricht vom Tod eines achtjährigen Mädchens, das nachweislich mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert gewesen ist, hat sich in Mainz wie ein Lauffeuer verbreitet. Bisher sind viele Jugendliche unter den 42 Todesopfern in Deutschland.

Von Caren Braun und Markus Schug, Mainz

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25. November 2009 

Die Nachricht vom Tod eines achtjährigen Mädchens, das nachweislich mit dem als Schweinegrippe bekannten H1N1-Virus infiziert gewesen ist, hat sich in Mainz wie ein Lauffeuer verbreitet. Von einer besonderen Situation sprach auch Professor Norbert Pfeiffer, medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum: Denn es habe sich in diesem Fall um ein „an sich gesundes Kind gehandelt“, das trotz „idealer Bedingungen für die Notfallversorgung“ innerhalb kürzester Zeit gestorben sei.

Weil das Mädchen seit zwei Tagen Erkältungssymptome gezeigt und schließlich auch noch über Bauchschmerzen und Atemnot geklagt hatte, waren die Eltern am Freitag gegen 22.30 Uhr mit ihrer Tochter in der Kinderklinik vorstellig geworden. Noch auf dem Weg ins Untersuchungszimmer brach die Achtjährige unvermittelt und offenbar aufgrund eines Herz-, Atem- und Kreislaufversagens zusammen. Obwohl es keine Minute bis zum Eintreffen erfahrener Ärzte gedauert habe, sei das Mädchen nicht mehr zurückzuholen gewesen, schilderte Pfeiffer gestern den Ablauf der Ereignisse, bei dem es sich nach Einschätzung aller beteiligten Mediziner um einen „schicksalhaften Einzelfall“ gehandelt hat.

Alleinige Ursache Schweinegrippe?

Weil die Unsicherheit bei vielen Eltern nun aber sicher noch größer sei, habe man sich in Absprache mit den Angehörigen entschlossen, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren, sagte Pfeiffer bei einer Pressekonferenz in Mainz. Noch könne man nicht mit Gewissheit sagen, ob das H1N1-Virus die alleinige Ursache für den Tod war, was angesichts der sonst oftmals milde verlaufenden Viruserkrankung „ein Novum“ wäre. Die Ergebnisse entsprechender Laboruntersuchung sollen in einer Woche vorliegen.

Womöglich könne der Tod auch von einem anderen Virus oder aber einer Kombination ausgelöst worden sein, sagte Pfeiffer. Die noch am Sonntag vorgenommene Untersuchung im Institut für Rechtsmedizin ergab, dass die sportliche Grundschülerin an einer virusbedingten Entzündung der Herzmuskulatur und der Lunge litt; die ebenfalls festgestellte Hirnschwellung sei Beleg für einen daraus resultierenden Sauerstoffmangel, sagte der Institutsleiter, Professor Reinhard Urban. Diese Schwächung erkläre, warum das Mädchen, bei dem gleich zwei lebenswichtige Organe angegriffen waren, nicht auf die Reanimiationsbemühungen reagiert habe. Herzmuskelerkrankungen im Kindes- und Jugendalter seien zwar selten, komme aber vor.

„Schmaler Grad zwischen Bagatellisierung und Hysterisierung“

Auch im Rückblick habe es keine Anzeichen für die besondere Schwere der Erkrankungen gegeben, sagten die Mediziner, die den Eltern bescheinigten, sich richtig verhalten zu haben. Man bewege sich beim Thema „Schweinegrippe“ auf einem „schmalen Grad zwischen Bagatellisierung und Hysterisierung“, so Professor Pfeiffer. Da in Mainz nach Ansicht von Experten inzwischen wohl jedes vierte Kind von der neuen Grippe betroffen ist, ruft die Klinikleitung klar zur vorsorglichen Impfung von Kindern und Jugendlichen auf; es gebe genügend Impfstoff.

Weil die Pandemie längst angekommen sei, sollte jeder Einzelne – etwa durch häufiges Händewaschen – dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr zu verringern. Das Gesundheitsamt will vor allem an Schulen, die auch weiterhin nicht geschlossen werden sollen, auf ausreichend Hygiene und Sauberkeit achten. Wer selbst erkrankt sei, solle sich in aller Ruhe zu Hause auskurieren, um nicht andere anzustecken.

Das Kind aus Mainz ist das zweiundvierzigste Todesopfer der Schweinegrippe in Deutschland und das zweite in Rheinland-Pfalz. In Hessen starben bisher zwei Personen an einer H1N1-Infektion, eine davon ohne bekannte Vorerkrankungen.

Nach Informationen der Leiterin des staatlichen Schulamts, Silvia Bouffier-Spindler, sind derzeit knapp 85.000 Schüler, etwa 16 Prozent, als erkrankt registriert. Das sei für den November nicht ungewöhnlich, sagte Bouffier-Spindler bei einer Pressekonferenz der Stadt Frankfurt zum Stand der Grippepandemie. Wie viele der Schüler wegen der Schweinegrippe oder wegen anderer Beschwerden nicht zu Unterricht erschienen, werde nicht erfasst. Der Fehlstand der Lehrer liege mit 13 Prozent ebenfalls nicht höher als sonst.

Hohe Fehlquoten in Kindergärten

Derzeit sind in vier Schulen geschlossen, weil zu viele Schüler und Lehrer fehlen. In Frankfurt sind weder ganze Schulen noch einzelne Klassen vom Unterricht befreit. Nur die Freiligrath-Schule, eine Grundschule in Fechenheim, arbeitet nach einem Notfallplan, der nur vier Schulstunden am Tag vorsieht.

In den Kindertagesstätten liegt die Zahl fehlender Kinder mit 25 bis 30 Prozent etwas höher als zu Zeiten einer saisonalen Grippe, teilte die Leiterin des Eigenbetriebs Städtische Kindertagesstätten, Monika Berkenfeld, mit. Der Krankenstand unter den Mitarbeiterinnen sei sogar etwas niedriger als gewöhnlich.

Nach Beobachtung des bisherigen Verlaufs der Pandemie rechne das Gesundheitsamt damit, dass sich in Frankfurt über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten 150.000 bis 200.000 Menschen infizierten, sagte der stellvertretende Amtsleiter René Gottschalk. Weniger als ein Zehntel davon würden so schwer erkranken, dass sie in einem Krankenhaus stationär behandelt werden müssten. Von diesen jedoch müsse ein vergleichsweise hoher Anteil, 15 Prozent, intensivmedizinisch versorgt werden. „Was uns etwas Sorge macht, ist, wie viele Kinder betroffen sind“, sagte Gottschalk. „Von den 42 Todesfällen in Deutschland waren acht im Alter zwischen zehn und 19 Jahren.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wolfgang Eilmes

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