Dichter mit Hut: Ernst Blass zählte zu den wichtigen Figuren des deutschen Expressionismus - doch geriet in der Nachkriegszeit in Vergessenheit. Jetzt ruft eine Werkausgabe den Dichter endlich in Erinnerung. Von Harald Hartung
Chronik eines angekündigten Todes: David Rieff, der Sohn von Susan Sontag, erzählt von dem Kampf seiner Mutter gegen den Tod. Herausgekommen ist kein Buch über das Sterben, sondern eines über das Leben der großen Intellektuellen. Von Mara Delius
Ein Paar, das aufs Land zieht; Glück, das vergeht; Geschichte, die ins Private hineinbricht: Joachim Walther schildert im Roman Himmelsbrück auf neue Weise alte Themen. Von Wolfgang Schuller
Kassandra von Manhatten: Die autobiographisch grundierten Geschichten und Erzählungen der 1917 geborenen Autorin Maeve Brennan erschienen seit 1949 überwiegend im New Yorker und in Harper`s Bazaar. Sie sind meisterhaft. Von Ingeborg Harms
Juan Carlos Onetti, der heute vor hundert Jahren in Montevideo geboren wurde, ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein früher Roman Für diese Nacht“ wurde nun erstmals ins Deutsche übersetzt. Von Richard Kämmerlings
Ursula Priess wurde 1943 als Tochter Max Frischs in Zürich geboren - damit muss sie fertigwerden. Die Beschäftigung mit ihrem Vater ist zu einem Buch geworden, mit dem sie ihren eigenen literarischen Rang beweist: Sturz durch alle Spiegel. Von Friedmar Apel
1959 verordnete die DDR der Literatur den Bitterfelder Weg“. Fünfzig Jahre danach veröffentlicht Monika Maron die Reportage Bitterfelder Bogen“: eine originelle Rückkehr zu ihren Anfängen. Von Jochen Hieber
Für seinen Debütroman hat er den Aspekte-Preis erhalten, jetzt ist der dritte Roman des Österreichers Thomas Stangl erschienen: Was kommt. Ein bemerkenswertes Stück Literatur. Von Oliver Pfohlmann
Carpe diem in der Dauerschleife: Mit Die Zeit, die wir uns nahmen schließt der australische Schriftsteller Steven Carroll seine Geschwindigkeits-Trilogie ab und erzählt von Menschen in der Kleinstadt, die in der Vergangenheit leben und so die Gegenwart zu verfehlen drohen. Von Christina Hoffmann
Wahrheitssucher in Zeitnot: Guillermo Martínez begleitet ein mathematisches Wunderkind auf dem schweren Weg durch das normale Leben und führt den Beweis, dass gelungene Formgebung immer Reduktion ist. Von Martin Halter
Singulärer Ton aus dem Besten zweier Kulturen: Die letzten Gedichte des britischen Lyrikers deutscher Herkunft Michael Hamburger, die kurz vor seinem Tod im Jahr 2007 auf englisch erschienen, liegen jetzt in der Übersetzung vor. Von Thomas Poiss
Wehe der Klasse, wenn der Arbeiter einmal Bewusstsein entwickelt: Wolfgang Hilbig gestaltet in seiner glänzenden Prosa das ganze zerrissene Subjekt der deutschen Spaltungsgeschichte. Von Kurt Drawert
Zwischen E.T.A. Hoffmann und Gender-Studien: Noémi Kiss ist eine neue aufregende Stimme im Männergesangsverein der ungarischen Literatur, die beweist, dass bei einer elaborierten Poetologie das Lesevergnügen nicht auf der Strecke bleiben muss. Von Stefanie Peter
Ein junger Mann kehrt zurück ins Haus seiner Kindheit: Der kanadische Schriftsteller David Chariandy erzählt eindrücklich vom Drama der Demenz. Von Reinhard Helling