GROSSBRITANNIEN

16. Dezember 2006 Robert Harris will nicht, daß man "Imperium", seinen Roman über den redegewandten Karrieristen Marcus Tullius Cicero, als "Neu-Labour in der Toga" liest. Aber gerade das tun seine britischen Leser. Harris, der als Journalist Tony Blairs Wahlkampfsieg von 1997 aus nächster Nähe erlebt hat, gesteht, daß diese Erfahrung ihm den Stoff für seine auf drei Bände angelegte Betrachtung der römischen Machtpolitik geliefert hat. Seine Darstellung des Altertums aus der Perspektive der britischen Gegenwart verleiht dem Roman eine Aktualität, die zweifellos zum Erfolg beiträgt. Auch der Überraschungsbestseller unter den Sachbüchern bringt dem Leser das alte Rom näher durch Bezüge zur heutigen Kultur. Der Titel von Harry Mounts "Amo, Amas, Amat . . . and all that", ein heiteres Plädoyer für die anhaltende Relevanz von Latein, spielt auf den Klassiker "1066 and all that" an, der den britischen Geschichtsunterricht parodiert. Mounts Brevier könnte mit Ciceros Motto "O tempora! O mores" überschrieben sein. Aber alles ist nicht verloren, wenn es ein Buch mit Verbtabellen und Erklärungen über das Gerundium zum Bestseller bringt.

GINA THOMAS

Buchtitel: Imperium
Buchautor: Harris, Robert

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2006, Nr. 293 / Seite Z3

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