Maigret-Marathon 14

Bei den Flamen

Von Tilman Spreckelsen

11. Juli 2008 75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit (siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde und Maigret-Marathon: die bisherigen Folgen).

Das Brodeln hinter der Fassade ist eine Obsession des Kommissars - soviel Meinung kann man auch als Novize nach immerhin 14 Romanen schon wagen. Das muss eigenartig sein: Herumzulaufen, Leute zu mustern und sich den innerlichen Vulkan vorzustellen, der da nur mühsam in Schach gehalten wird. In diesem Buch darf dann mal Grieg der Katalysator für die Eruption sein. Warum auch nicht.

Die Handlung in einem Satz: Maigret wird zum Tatort gerufen, um die Unschuld einer Familie von Zugereisten zu beweisen, und ist dieser Aufgabe nicht gewachsen.
Spielt in: Givet, einer Kleinstadt in den Ardennen, ganz dicht an der belgischen Grenze.

Neues über Maigret: Er kennt „Solveigs Lied“ auswendig.

Und Frau Maigret? Bekommt von ihrem Mann genaue Anweisungen, wie sie mit dem nachlässigen Möbelhändler umzugehen hat. Und wird, als sie nach dem Mordfall fragt, brüsk zurechtgewiesen: „Das würdest du doch nicht verstehen.“ Vielleicht nimmt sie die Sache wirklich leicht, vielleicht lässt sie sich auch nur nichts anmerken.

Konsum geistiger Getränke: Morgens Grog, mittags Bier, abends Genever - je nachdem, wo Maigret gerade trinkt.

Dann doch lieber ins Kloster
Was er in dem kleinen Städtchen macht, weiss Maigret wohl selber nicht so recht: Da ist eine junge Frau verschwunden, vermutlich ermordet, aber es gibt keine Leiche. Da sind die feindseligen Alteingesessenen, da ist die flämische Familie, so sauber und stolz und geleckt, und da sind die drei Geschwister, die jeweils unterschiedlich mit den Anschuldigungen umgehen: Einer, der Geliebte der Verschwundenen, ist jämmerlich schwach; eine verkriecht sich im Kloster; und an der Dritten prallt alles ab. Irdische Gerechtigkeit übrigens sucht man auch in diesem Falls vergebens. Wenn man juristische Maßstäbe anlegt.

Lieblingssatz: „Große Schweißtropfen standen auf Maigrets Stirn, und er murmelte vor sich hin: 'Grauenhaft!'“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

 
Mehr als 30.000 Rezensionen
Buchtitel Buchautor Im Beitrag
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche