Der späte Weg zur Liebe: Siegfried Lenz

„Schweigeminute“ von Siegfried Lenz

Bettgeschichten hatten für ihn nie Beweisqualität

Ein Thema mied der Schriftsteller Siegfried Lenz so sehr, dass ihm die Kritik vorwarf, er drücke sich davor: die Liebe. In seiner Novelle „Schweigeminute“, die im Feuilleton der F.A.Z. als Vorabdruck erscheint, findet er einen zärtlichen Weg zu dem bisher gemiedenen Topos, meint Marcel Reich-Ranicki.

Lesermeinungen zum Beitrag

25. April 2008 23:47

"Schweigeminute": Die Sache geht, wie anders nicht zu erwarten, schlecht aus.

R. F. Lukner (notwendigkeit)

Mit seiner Erzählung "Schweigeminute" geht Siegfried Lenz im Hinblick auf die Liebe mit dem Leser viel härter, aufrüttelnder um, indem die Liebe darin tragisch endet. Es geschieht aber der Liebe wegen: ein emphatisches Plädoyer für die Liebe.
In Tschechows Erzählung "Die Dame mit dem Hündchen" ist das Ende weicher, da der Ausgang dort offen, in der Schwebe bleibt. Sie ist wie ein Rätsel, das der Lösung durch den Leser harrt.

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24. April 2008 00:35

Wo sind sie geblieben, die Klugheitslehren, where have they gone?

Wolf Doleys (Karneades)

Haben uns die Alten nichts Kluges mehr mitzuteilen? "Liebe und Triebe" war die Domäne des Schlagers; nach Walsers einschlägigem Elaborat kommt nun schon wieder eine Spätpubertätsgeschichte im Vorabdruck der FAZ. Goethe, ganz der Empfehlung Horaz' folgend, kleine Albernheiten in das kluge Planen zu mischen, hat seinen Faust II mit "der Weisheit letztem Schluß" zuende geschrieben - das bleiben die Viertelskünstler der Gegenwart schuldig. Sie tauchen ein in den Aufguß der Pubertät; das zweite Mal, meinte Marx, geschähen die Dinge als Farce. Nicht immer hatte er unrecht.

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