Alte Rocknachtigall

11. Januar 2008 Dass Hermann Hesse die Rockmusik beeinflusst hat, ist im Prinzip bekannt; die Band "Steppenwolf" benannte sich ja nach ihm. Auch dass Udo Lindenberg ein Hesse-Verehrer war, wusste man und dachte: Ja, und? Jeder findet Hesse irgendwann mal gut, so mit vierzehn oder sechzehn. Aber danach? Lindenberg hält ihm bis heute die Treue, und sosehr man darüber auch literargeschmacklich diskutieren kann - ein sympathischer Zug ist es doch von dem, der der deutschsprachigen Popmusik entscheidende Impulse gegeben hat, nicht zuletzt mit Liedern, die Hesses doch etwas penetranten, aber nicht unsympathischen Aufbruchs- und Selbstsuchergeist atmen. Nun hat Lindenberg ein persönliches Hesse-"Lesebuch" herausgebracht. Es finden sich darin Tagebuch-, Brief-, Aufsatz-, Gedicht- und Romanstellen überwiegend kürzerer Länge. Es versteht sich, dass viele davon handeln, wie einmalig jeder Mensch doch sei und wie wichtig es auch sei, sich ja nicht zu verbiegen, sondern vielmehr erst mal richtig zu finden. Man muss das intellektuell nicht alles unterschreiben, es ist ja mehr so eine Gefühlssache. Aber wie Lindenberg, diese alte "Rocknachtigall", sich im Vorwort zum dankbaren Seelenverwandten erklärt, dazu gehört Mut - und Herz. Lindenberg hat es auf dem rechten Fleck. ("Mein Hermann Hesse". Ein Lesebuch. Zusammengestellt von Udo Lindenberg und Herbert Schnierle-Lutz. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2008. 290 S., br., 8,90 [Euro].) edo.



Buchtitel: Mein Hermann Hesse
Buchautor: Lindenberg, Udo

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2008, Nr. 9 / Seite 34

 
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