Sorgenfalte

10. Mai 2008 Der Freundeskreis um den vierzehnjährigen Bram trifft sich in einem alten Holzschuppen. Dort spielt man "Polizei", "Restaurant", "Einkaufszentrum" oder "Detektivbüro", die Kinder (oder eher: die Fast-Jugendlichen) sinnieren etwas altklug über das Ende der Kindheit, das jetzt bevorstehe, und sie wollten das letzte Spiel genießen. Das heißt "Hochzeit", und als Hochzeitspaar wählt man ausgerechnet Bram und Fatima aus. Fatima kam vor vielen Jahren mit ihren Eltern aus Marokko.

Und hier beginnen auch schon die Klischees, die das Buch erdrücken. Fatima, deren Spitzname Rabenhaar lautet, erzählt von den Zwangsheiraten und dem Jungfräulichkeitswahn der Männer. Und wie in einem Oberstufenseminar werden die teilweise intimen Informationen diskutiert. Man vergewissert sich im Diskurs zwischen den Kulturen der gemeinsamen Werte und kritisiert das unappetitlich Überkommene.

"Rabenhaar" ist aber ein Jugendbuch und kein Sozialkundekurs. Diesen Unterschied markiert das Buch viel zu undeutlich. Es liest sich schnell, leider zu schnell. Und trotzdem passiert kaum etwas. Man ist dankbar für den dürftigen Handlungsschub durch das Beginnen des Hochzeitsspiels. Eine Verliebtheit blüht auf - Happy End mit sozialer Sorgenfalte. Solche Bücher entstehen, wenn die pädagogische Ambition die literarische Imagination überwuchert.

MARIUS MELLER

Do van Ranst: "Rabenhaar". Aus dem Niederländischen übersetzt von Andrea Kluitmann. Carlsen Verlag, Hamburg 2008. 127 S., geb., 12,90 [Euro]. Ab 12 J.



Buchtitel: Rabenhaar
Buchautor: Ranst, Do van

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2008, Nr. 109 / Seite 36

 
Mehr als 30.000 Rezensionen
Buchtitel Buchautor Im Beitrag
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche