Vier Highlights von der Cebit

Vom Spionage-Set bis zur digitalen Geisterhand

Von Marco Dettweiler (Text) und Andreas Brand (Videos)

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07. März 2008 Den Navigationsgeräten ergeht es wie den Handys. Als die Grundfunktionen liefen, begannen die Hersteller mit dem Schnickschnack. Jedes Navi weist verlässlich den Weg von A nach B. Einige können nun auch das zeigen, was der Fahrer sowieso sieht. Damit das nicht langweilig wird, spielen die Geräte nun auch MP3 ab. Nehmen wir Merian mit dem „Scout Navigator“. Der Stand mit den in Weiß gekleideten Hostessen, die aussehen wie ein Kreuzung aus Krankenschwester und Stewardess, präsentiert nur dieses eine Produkt.

Doch das hat es in sich: 30.000 Ziele mit Fotos und 35 Stunden Audiobeiträge machen aus dem Navi-Gerät einen digitalen Reiseführer, der sprechen und Bilder zeigen kann. Der „Scout Navigator“ referiert also während der Fahrt über architektonische Sehenswürdigkeiten oder erzählt eine Episode aus der Literatur, weil der Autor aus dem Ort stammt. Er bietet auch per Fingerdruck auf den Touchscreen eine Auswahl von Hotels in der Stadt. Wie so oft bei Best-of-Listen zeigt auch bei Merian die Auswahl etwa von Kneipen und Restaurants selten die echten Highlights einer Stadt. Die muss jeder Tourist noch selbst erkunden. Da helfen ausgewählte Informationen häufig wenig. Das ist so ähnlich wie bei der Cebit.

Das kleine Weiße

In den letzten Monaten zog Apple die meiste Aufmerksamkeit von Notebook-Fans auf sich, als Steve Jobs das „dünnste Notebook der Welt“ vorstellte. Cebit-Besucher müssen das neue Designobjekt weiterhin auf Plakaten bewundern. Apple wollte den langen Weg von Kalifornien in den kalten Norden Deutschlands nicht auf sich nehmen. Vielleicht ist deswegen so großes Gedränge am Asus-Stand. Dort gibt es ein Mini-Notebook im Handtaschenformat zu sehen. Der Eee-PC ist weiß, wiegt knapp ein Kilo und ist nicht viel größer als ein DIN-A5-Blatt. Die Größe ist keine Weltneuheit. Doch zusammen mit dem Preis - 299 Euro - wird das weiße Kleine zur Sensation. Die beiden Studenten, die am Asus-Stand den Mini-Computer ausprobieren, kennen den Billig-Laptop nicht nur aus Werbung und Medien: „Bei uns an der Uni sieht man schon einige Kommilitonen mit diesem Notebook im Hörsaal sitzen.“ Dass nicht noch mehr Studenten damit ihre Hausarbeiten schreiben, Mails checken und per W-Lan im Café im Internet recherchieren, liegt vermutlich an Lieferengpässen.

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Asus hatte den Eee-PC schon im letzten Jahr vorgestellt und in Deutschland seit Januar offiziell verkauft. Bekommen haben ihn bisher nur wenige. In den meisten Läden ist er nach wie vor ausverkauft. Wer das Notebook auf der Cebit testen durfte, wird eventuell seine Bestellung wieder stornieren. Der Eee-PC ist mehr ein nettes Lifestyle-Produkt und weniger ein vollwertiger Computer. Die Tastatur ist klein, das Tippen mit zehn Finger fast unmöglich. Zum Checken von Mails und Surfen im Internet reicht sie aus. Die perfekte Zielgruppe wären wohl Kinder. So ein Mini-Notebook ließe sich gut im Schulranzen verstauen.

Spionage-Set für Kino-Fans

Schon wieder Hollywood. Schon wieder Sciencefiction. Dieses Mal erinnert das Produkt nicht an einen Film, sondern an eine Fernsehserie. Am Stand von General Mobile liegt die Brille von Chefingenieur Geordi LaForge aus „Raumschiff Enterprise“. Jedenfalls sieht sie ihr sehr ähnlich. Doch zu diesem Gadget gehört auch ein Handy. Und wie soll man mit einer Brille telefonieren? Wer den netten Hostessen gut zuhört, wird aufgeklärt: Brille aufsetzen, Ohrstöpsel einsetzen, Handy starten. Was dann passiert, ist schon spektakulär. Der Nutzer sieht eine Szene aus dem Film „Aliens“, als säße er in einem kleinen Kinosaal in der letzten Reihe. Denn die virtuelle Leinwand nimmt nicht das ganze Sichtfeld ein. Sie ist umgeben von schwarzer Fläche, die wie dunkle Wände wirkt. Über den Videoausgang des Handys gelangen die komprimierten Daten zur Brille, wo sie auf das Innere der Plastikgläser projiziert werden. Die Nutzer schaut somit nicht durch die Brille, sondern auf die nur wenige Zentimeter große Fläche, wo der Film im Miniformat abläuft. Weil der Abstand zwischen Augen und Brille so gering ist, hat der User das Gefühl, einen Fernseher oder eine kleine Leinwand vor sich zu haben.

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Und noch einmal Hollywood: Das Handy in Kombination mit der Brille hätte auch „Q“ für James Bond erfinden können. Neugierige, die unentdeckt bleiben wollen, können damit nämlich um die Ecke schauen. Hier die Anleitung für Spione: Brille aufsetzen, Handykamera aktivieren, Linse des Mobiltelefons um die Ecke halten, selbst dahinter stehen bleiben. Der Nutzer sieht nun, was das Handy sieht. Man selbst bleibt unerkannt. Jedenfalls solange der Akku hält und nicht anfängt zu piepsen.

Computerdirigent mit Geisterhand

Wenn Hollywoods Produzenten darüber nachdenken, wie die Zukunft aussehen könnte, dann dürfen sich ihre Drehbuchschreiber gerne austoben. In dem Sciencefiction-Film „Minority Report“ von Steven Spielberg etwa bedient Tom Cruise einen Computer auf ungewohnte Weise. Er fummelt mit seinen Händen vor dem Bildschirm herum, um Symbole zu verschieben, zu drehen und zu löschen. Die Oberfläche muss er nicht berühren: Allein die Gesten sagen dem Computer, was er zu tun hat. Wer auf der Cebit am Stand des Fraunhofer-Instituts zufällig vorbeiläuft, denkt wahrscheinlich sofort an diese Szene. Statt Tom Cruise steht Paul Chojecki wie ein Cowboy im Anzug und ohne Revolver vor der Leinwand. In aller Ruhe zielt der Forscher vom Fraunhofer-Institut mit beiden Zeigefingern auf das Bild vom Brandenburger Tor, um es dann hin und her zu bewegen. „In erster Linie wollen wir hier eine Technologie präsentieren“, sagt der Projektleiter, um anzudeuten, dass das Gerät noch nicht für den Massenmarkt reif ist. Der iPoint-Presenter ist letztlich ein Mausersatz. Die Anwendungsgebiete? Chojecki stellt sich einen Arzt im OP-Saal vor, der sich während der Operation auf dem Bildschirm ein 3-D-Objekt ansieht, das er per Fingerzeig drehen und wenden kann, wie er will. „Die Hygiene kann auch an anderen Orten eine Rolle spielen“, sagt er. Bei einer Hinweistafel für Touristen etwa müsste niemand mehr einen möglicherweise fettverschmierten Touchscreen benutzen. Auch wäre die interaktive Tafel gegen Vandalismus geschützt.

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Zwei Infrarotkameras sind der empfindliche Teil des iPoint-Presenters. Hinter einer Glasscheibe nehmen sie die Bewegungen der beiden Zeigefinger auf, analysieren sie und übermitteln die Daten dem Rechner, der sie auf dem Bildschirm in Befehle umsetzt. „Das System ist skalierbar für bis zu neun Kameras. Theoretisch könnte man dafür auch Webcams benutzen“, sagt Chojecki und nennt eine weitere Einsatzmöglichkeit: barrierefreie Systeme. Rollstuhlfahrer können häufig Terminals nicht benutzen, weil sie zu hoch installiert sind. Hängt der Kasten mit den Kameras unter der Decke, spielt die Größe des Nutzers keine Rolle mehr, da jede Position auf der vertikalen Achse erfasst wird. Das System erkennt also zwei fingergroße Objekte und berechnet ihre Position im Raum. Diese Komplexität ist recht neu. Doch die Forschung hat schon vor Jahren begonnen. Chojecki gibt im Hinblick auf den Sciencefiction-Film von Steven Spielberg zu: „Der war zuerst da.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Andreas Brand, Andreas Brand, Cinetext

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