Designer ABC
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„Designer ABC“

L wie Lagerfeld

Von Alfons Kaiser

Auf dem Mode-Olymp: Karl Lagerfeld

Auf dem Mode-Olymp: Karl Lagerfeld

27. September 2005 Karl Lagerfeld, der wichtigste deutsche Modeschöpfer, ist kaum zu bremsen. Der von großem Wissensdurst, ausgeprägter Eitelkeit, sicherem Stilempfinden und erlesener Eloquenz geprägte und getriebene Designer ist in so vielen Gebieten schöpferisch tätig, daß eine Aufzählung ins Endlose gehen müßte. In seltsamem Gegensatz zu seiner Vielseitigkeit zeigt er beim Haus Chanel (siehe auch:„Designer ABC“: C wie Chanel), für das er seit 1983 als Chefdesigner arbeitet, Durchhaltekraft auf höchstem Niveau.

Denn neben den zwei Haute-Couture- und zwei Prêt-à-porter-Kollektionen, die er pro Jahr für das französische Traditionshaus fertigt, entwirft er auch zwei Kollektionen seiner Linie „Lagerfeld Gallery“ und zwei weitere für das italienische Pelzmodehaus Fendi. Durch all diese Tätigkeiten läßt er sich aber nicht davon abhalten zu fotografieren, zu schreiben, zu zeichnen, Kunst und Antiquitäten zu sammeln und Bücher herauszugeben.

Mode für Chanel und H&M

Man darf Karl Otto Lagerfeld, der nach eigenen Angaben am 10. September 1938 in Hamburg geboren wurde und in begüterter Familie aufwuchs, wohl zu den kreativsten deutschen Köpfen zählen. Sein Vater, Gründer und Generaldirektor der Glücksklee-Milch-GmbH, dürfte dazu weniger beigetragen haben als seine Mutter, die er als strenge Erzieherin beschrieben hat. Lagerfeld besuchte zunächst die Schule in seiner Heimatstadt Bad Bramstedt, dann eine Hamburger Privatschule und schließlich das Lycée Montaigne in Paris. Für eine Mantelzeichnung gewann er früh den ersten Preis in einem Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats. Und ebenso früh erreichte er die wichtigsten Adressen der Pariser Mode. Pierre Balmain holte ihn in den fünfziger Jahren in sein Designteam. Von 1958 bis 1963 war er künstlerischer Direktor bei Jean Patou. Von der Haute Couture kommend, wandte er sich dann zunehmend dem frischeren und jüngeren Prêt-à-porter zu, das er als freischaffender Modemacher für bedeutende Häuser bediente. Er entwarf Kleider, Strümpfe, Schuhe, Hüte, Schmuck, Frisuren, Wäsche - und wurde 1963 künstlerischer Direktor der Konfektionsfirma Chloé, für das er 34 Jahre lang arbeiten sollte.

Aber erst bei Chanel, wo er im Januar 1983 mit der ersten Haute-Couture-Kollektion begann, auf die 1984 die erste Prêt-à-porter-Kollektion folgte, gelangte Lagerfeld auf den Höhepunkt seines Ruhms. Das leicht angestaubte Haus brachte er wieder ins Zentrum des Modegeschehens, obwohl und weil er in immer wieder neuen Variationen den Stil von Coco Chanel variierte, modernisierte, ironisierte und in ein neues Jahrtausend transformierte. Es zeigt Lagerfelds Vielseitigkeit, dass er Paris nicht allein verhaftet blieb, sondern mit dem Konfektionär Klaus Steilmann zwischen 1987 und 1995 zusammenarbeitete, 1996 erstmals eine eigene Kollektion im Quelle-Katalog unter „KL by Karl Lagerfeld“ präsentierte und im Herbst 2004 in einer äußerst erfolgreichen, aber einmaligen Zusammenarbeit mit dem schwedischen Kleiderhaus H&M Mode für jedermann schuf.

Fotograf, Diät-Buch-Autor und Galerist

Lagerfeld, der sich selbst vor allem als Zeichner sieht, dessen Entwürfe von den Schneiderinnen in der Chanel-Zentrale in der Rue Cambon verwirklicht werden, ruht sich nicht auf vermeintlichen Meriten aus. Er zeichnete die Ausstattung für mehr als zwanzig Filme wie „Mistral's Daughters“ von Judith Krantz und Opern wie „Hoffmanns Erzählungen“, und er hatte Erfolg mit Möbeln, Schmuck, Parfums, Sonnenbrillen, Gürtel und anderen Accessoires. In den Achtzigern griff er selbst zur Kamera und wurde ein erfolgreicher Fotograf, der nicht nur die eigenen Kollektionsbücher bebildert, sondern auch in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl anspruchsvolle Kunst- und Fotobände gestaltet. Im April 1998 eröffnete er in der Pariser Rue de Seine die „Lagerfeld Gallery“, die gleichzeitig als Modesalon und Fotogalerie dient.

Lagerfeld, dem viel an Selbstinszenierung liegt, der die Eheringe seiner Eltern stets an der Halskette trägt und neuerdings in der Öffentlichkeit Fingerhandschuhe trägt, überraschte im Spätherbst 2001 mit einer neuen Erscheinung: In wenigen Monaten hatte er mehr als vierzig Kilo abgespeckt. Auch daraus machte er gleich ein Buch - über den Erfolg seiner Diät. Lagerfeld, der sich selbst kreativ kleidet, gab zu, dass er vor allem in die Hosen des Dior-Herrendesigners Hédi Slimane (siehe auch: „Designer ABC“: D wie Dior) passen wolle. Auch diese Wahl eines Konkurrenten zum Lieblingsausstatter zeigt ein nicht unwesentliches Talent des gern auch spitzzüngigen Meisters: Wenn er Qualität entdeckt, kann er sie mit Begeisterung und Hingabe fördern.

Das Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen im „Designer ABC“: „M wie Stella McCartney“



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