Designer ABC
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„Designer ABC“

D wie Dior

Von Anke Schipp

Christian Dior

Christian Dior

16. September 2005 Der französische Modesigner Christian Dior schuf die Silhouette der fünfziger Jahre. Er begründete nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem „New Look“ einen Neubeginn in der Mode, seine Entwürfe dokumentierten den Optimismus der Nachkriegszeit. Er hielt nichts von der surrealistischen Modeschöpferin Elsa Schiaparelli, die in den dreißiger Jahren, wie er einmal bemerkte, „ein Kotelett zum Hut“ machte. Oder von der Mode in den Kriegsjahren mit den breiten Schultern und unförmigen Hüten.

Dior gab den Frauen mit weichen Schultern, schmaler Taille und weitschwingenden Röcken die Weiblichkeit zurück und lehnte sich damit an die Mode seiner Kinderzeit - die Belle Epoque - an. Er schuf neue Silhouetten, die immer wieder Aufsehen erregten, er konstruierte wie ein Architekt, der er mal werden wollte, die Y-Linie, die A-Linie, die H-Linie, die er so schnell wechselte, daß einem schwindelig werden konnte. Kritisiert wurde er für seine plissierten Röcke, die als verschwenderisch galten, weil sie bis zu 80 Meter Stoff brauchten. Man bezeichnete seinen „New Look“ als Revolution, er sei aber nur, sagte er selber, zu der wesentlichen Aufgabe zurückgekehrt, „Frauen zu schmücken und zu verschönern“.

Mit Düngemittel konnte er nichts anfangen

Weil er die Mode diktierte, selbst Hollywood ihm folgte und er auf vielen Fotos im weißen Arbeitskittel und mit Holzstab wie ein Lehrmeister seine Modelle erklärte, hielt man ihn für streng. Aber eigentlich war Dior ein schüchterner Mann aus der Normandie. Geboren am 21. Januar 1905 in Granville, deutete zunächst nichts darauf hin, daß Dior, zweitältestes Kind eines Fabrikantensohns, einmal einer der wichtigsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts werden sollte. Zwar erkannte der stille Junge früh, daß er mit den Düngemitteln, die sein Vater produzierte, nicht viel anfangen kann - eher schon mit den Bäumen und Blumen, die seine Mutter mit viel Liebe in dem Park des Hauses anpflanzte. Als er 14 Jahre alt war, prophezeite ihm eine Hellseherin, daß er eines Tages ohne Geld sein werde, aber Frauen ihm Glück bringen würden und er zahlreiche Schiffsreisen unternehmen müsse. Zu Hause lachte man darüber, denn Christian ging noch nicht einmal gerne aus dem Haus, um Freunde zu besuchen.

Tatsächlich traf aber fast alles genauso ein - allerdings erst 26 Jahre später und nach vielen Höhen und Tiefen im Leben des Christian Dior. Er ging nach Paris mit dem Ziel, Architektur zu studieren; die Familie wollte es anders - er schrieb sich für Staatswissenschaften ein. Später eröffnete er eine Kunstgalerie in Paris, in der Besatzungszeit führte er mit seiner Schwester eine Obstplantage in der Provence, bevor er nach Paris zurückging und als Modezeichner arbeitete.

„Der andere Christian Dior“

Erst mit fast 42 Jahren begann seine eigentliche Karriere, die des „anderen Christian Dior“, wie er selber sagte. Mit Hilfe von Geldgebern eröffnete er einen Salon in der Pariser Avenue Montaigne und rief gleich mit seiner ersten Kollektion international Aufsehen hervor. In nur zehn Jahren verwandelte er das Couture-Haus in ein florierendes Unternehmen, das in 23 Länder exportierte. Nun mußte er die prophezeiten Schiffsreisen antreten, um vor allem das erfolgreiche Geschäft in Nordamerika zu betreuen. Immer wieder zog er sich aus dem Modezirkus auf seine Landhäuser zurück, wo er der Gartenarbeit nachging.

Im Oktober 1957 starb er unerwartet an einem Herzanfall im italienischen Kurort Montecatini. Seine Nachfolger an der Avenue Montaigne waren nacheinander Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré und John Galliano (siehe auch: „Designer ABC“: G wie Galliano), der bis heute die Kollektionen der Marke Christian Dior verantwortet, die mittlerweile zum Luxuskonzern LVMH gehört.

Das Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie als nächstes: „E wie Etro“



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