10. März 2008 Auf der Suche nach Kinderleichen in dem früheren Heim Haut de la Garenne auf der britischen Kanalinsel Jersey hat die Polizei am Wochenende Blutspuren entdeckt. In einem von mehreren Kellerräumen, die nach Zeugenaussagen als Strafkammern benutzt wurden, schlug ein speziell abgerichteter Spürhund an zwei Stellen an, wie die Polizei berichtete.
Die Spuren an einem Wasserbecken würden nun weiter untersucht. In dem Becken sollen Kinder in kaltes Wasser getaucht worden sein. Mehrere hundert Demonstranten beteiligten sich unterdessen an einer Protestaktion und forderten die vollständige Aufklärung des Verdachts auf jahrelangen systematischen Kindesmissbrauch. In der Inselhauptstadt St. Helier erklärte der Organisator Nick le Cornu, auf Jersey gebe es eine Mauer des Schweigens, die gebrochen werden müsse. Die Behörden müssten mit mehr Entschlossenheit vorgehen, um die vermuteten Gewaltakte gegen Kinder in dem einstigen Heim Haut de la Garenne aufzuklären. Eine weitere Sprecherin sagte, es gibt hochrangige Politiker, die die Ereignisse vertuschen und ein positives Image der Insel erhalten wollen.
Etwa 100 Opfer, mehr als 40 Verdächtige
Zeugen hatten geschildert, wie Kinder unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und ausgepeitscht wurden, sowohl durch Mitarbeiter als auch andere Heimkinder. Die Taten sollen seit etwa 1960 über viele Jahre verübt worden sein. Die Polizei konkretisierte indes ihre Angaben: Etwa 100 Menschen seien Opfer von Missbrauch geworden. 25 Verdächtigen würden sexuelle und körperliche Übergriffe vorgeworfen, darunter ehemalige Politiker sowie führende Mitarbeiter des Heims. Insgesamt gebe es mehr als 40 Verdächtige in dem Fall.
Text: F.A.Z., 10.03.2008, Nr. 59 / Seite 9
Bildmaterial: dpa, REUTERS