Nach dem Amoklauf in Tokio

Polizei sucht nach Motiven

Mit einem Lastwagen fuhr der Amokläufer in die Menschenmenge

Mit einem Lastwagen fuhr der Amokläufer in die Menschenmenge

09. Juni 2008 Der Messer-Amoklauf von Tokio mit sieben Toten ist nach deutlichen Vorwarnungen des mutmaßlichen Täters erfolgt. Der 25 Jahre alte Mann kündigte nach Angaben der Polizei die Bluttat vom Sonntag in SMS-Botschaften an, die er von seinem Handy an ein Internetforum versandte. Die Polizei machte keine detaillierten Angaben über den Inhalt dieser Botschaften, japanische Medien zitierten am Montag aber daraus. Der Täter hatte die Nachrichten im Minutentakt versandt.

Der Amokläufer hatte am Sonntag in Tokio mindestens sieben Menschen mit einem Messer tödlich verletzt. Er war zunächst mit einem Kleinlaster in eine Menge von Passanten gefahren, bevor er sie mit dem Messer attackierte. „Ich bin nach Akihabara gekommen, um Menschen zu töten“, sagte der 25-Jährige der Polizei. „Ich habe diese Welt satt. Jeder ist okay. Aber ich bin einsam“, wird der Amokläufer zitiert. Ein 19 Jahre alter Augenzeuge sagte: „Der Mann hat einen Fußgänger erst angefahren, danach hat er ihn angesprungen und mit dem Messer mehrere Male auf ihn eingestochen. Dann ist er weitergegangen und hat wahllos Passanten aufgeschlitzt.“

Insgesamt 20 Menschen sind von dem Amokläufer mit einem Messer angegriffen worden

Insgesamt 20 Menschen sind von dem Amokläufer mit einem Messer angegriffen worden

Nach dem Amoklauf im Tokioter Einkaufsviertel Akihabara wurde der mutmaßliche Täter verhaftet. Er soll den Lieferwagen gemietet haben. „Ich will das Fahrzeug zerschmettern und, wenn es zu nichts mehr taugt, ein Messer benutzen“, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo den Amokläufer. „Auf Wiedersehen an alle.“

Polizei sucht Motiv

Die SMS-Botschaften wurden unter dem Titel „Ich werde Menschen in Akihabara töten“ veröffentlicht. Kurz vor dem Amoklauf ging von Akihabara eine SMS ein, in der er es hieß: „Die Zeit ist gekommen.“ 20 Minuten später stürzte sich der Mann auf die ahnungslosen Passanten. Die Ermittler bemühten sich, sein genaues Motiv herauszufinden - und warum er das vor allem wegen seines Angebots an Unterhaltungselektronik bekannte Einkaufsviertel Akihabara als Tatort wählte. Wie zehntausende anderer junger Japaner auch soll der Täter ein Computerspiele-Fan sein. Im Jahrbuch seiner Oberschule habe er einmal eine Computerspiel-Heldin als seine „Lieblingsperson“ angegeben, hieß es. Er wohnte 150 Kilometer von Tokio entfernt; seine Wohnung wurde am Montag durchsucht.

Regierung prüft Auflagen für Besitz großer Messer

Das Kabinett von Ministerpräsident Yasuo Fukuda beriet umgehend über Maßnahmen zur Sicherung öffentlicher Plätze. „Offensichtlich hat der Verdächtige ein großes Messer ohne berechtigten Grund besessen“, sagte Kabinettssekretär Nobutaka Machimura. „Ich denke, wir müssen gründlich prüfen, wie wir die Beschränkungen noch enger fassen.“ Der Besitz von Schusswaffen ist in Japan streng kontrolliert. Verbrechen mit Schusswaffen sind sehr selten; meistens finden sie innerhalb des organisierten Verbrechens statt. Messerstechereien kommen dagegen in der Kriminalstatistik häufiger vor.

Erst im März erstach ein Mann in einem Einkaufszentrum in Nordjapan einen Menschen und verletzte sieben weitere. Im Januar griff ein 16-Jähriger fünf Menschen ebenfalls in einem Einkaufszentrum mit einem Messer an, zwei davon erlitten Verletzungen. Auch in Schulen gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Messerstechereien, die folgenschwerste am 8. Juni 2001, als ein Mann acht Grundschüler niedermetzelte. Er wurde zum Tode verurteilt und 2004 hingerichtet.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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