31. Januar 2008 Knapp fünf Monate nach der Messerattacke auf den orthodoxen Rabbiner Zalman Gurevitch im Frankfurter Westend hat die Staatsanwaltschaft den Täter wegen versuchten Totschlags angeklagt. Weitere Anklagepunkte gegen den 22 Jahre alten Deutschen afghanischer Herkunft sind gefährliche Körperverletzung und Bedrohung, wie die Justizbehörde am Donnerstag mitteilte.
Das Opfer, ein 42 Jahre alter jüdischer Geistlicher, hatte den Messerstich in seinen Bauch dank einer Notoperation überlebt. Der Täter hat einen anti-semitischen Hintergrund seiner Attacke abgestritten. Er ist bereits früher mit Gewalttaten aufgefallen und sitzt in Untersuchungs-Haft.
Messerstecher verriet sich im Internet selbst
Der Messerstecher war wenige Tage nach der Attacke von der Polizei festgenommen worden. Der überfallende Geistliche meinte daraufhin: Frankfurt ist eine sichere Stadt. Entscheidend für den Fahndungserfolg der Ermittler war ein Hinweis auf ein Sport-Internetforum. Dort hatte der Teilnehmer eines Chats den Angriff mit detaillierten Angaben zu Täter und Tathergang gerechtfertigt und erklärt, sie sei nicht antisemitisch begründet. Ein anderer Chat-Teilnehmer informierte die Polizei über diese Aussagen. Eine Sonderkommission der Polizei hatte auch mit Hilfe eines Phantombildes nach dem Täter gefahndet und eine Belohnung für sachdienliche Hinweise von 4.000 Euro ausgesetzt.
Die große Frage lautet, ob die Attacke geplant oder eine Zufallstat gewesen ist. Bisher war der Rabbiner davon überzeugt, dass der Täter spontan gehandelt hat. Nach seiner Erinnerung ging an jenem Tag der junge Attentäter an ihm und seinen beiden Begleitern vorbei und rief ihm etwas zu. Er habe daraufhin den Afghanen gefragt, was er gesagt habe. Dieser habe ihm als Antwort die Faust in den Bauch gerammt.
Scheißjude, ich bring' dich um
Er habe dann noch einmal dieselbe Frage gestellt, worauf der junge Mann unvermittelt mit den Worten Scheißjude, ich bring' dich um mit einem Messer auf ihn eingestochen habe. Später habe er dann gemerkt, dass schon der vermeintliche Faustschlag ein Messerstich gewesen sei.
Text: FAZ.NET mit dpa/RMZ
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes
