Urteil in Aachen

Lebenslange Haft nach tödlichem Nachbarschaftsstreit

17. November 2008 Monatelang hatten die beiden Nachbarn Streit, immer wieder ging es um Lärmbelästigung. Im April erschoss ein 56-Jähriger in Nordrhein-Westfalen seinen 33 Jahre alten Kontrahenten mit neun Schüssen aus einer Pistole. Am Montag verurteilte das Landgericht Aachen den Täter wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Der 56-Jährige habe seinen Nachbarn in einen Hinterhalt gelockt und getötet, sagte der Vorsitzende Richter, Gerd Nohl. Die vorgetäuschte Notwehrsituation sei Teil eines „perfiden Plans“ gewesen. Angehörige und Freunde des Opfers klatschten nach der Urteilsbegründung Beifall. Die Mutter, Nebenklägerin in dem Verfahren, brach in Tränen aus. Die Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte, schloss eine Revision nicht aus.

Opfer und Täter wohnten in einem kleinen alten Haus in Dürboslar, einem Dorf bei Jülich und lagen seit längerem wegen des Geräuschpegels des Jüngeren im Clinch. Das Gericht nahm an, dass der vom Lärm genervte ältere Mann dem Jüngeren in der Tatnacht den Strom am Sicherungskasten im Innenhof abdrehte. „Wir gehen davon aus, dass der Entschluss zu schießen, vor dem Rausdrehen der Sicherung gefasst wurde. Ein perfider Beschluss“, sagte Nohl.

Mit neun Schüssen niedergestreckt

Mit geladener Waffe habe der 56-jährige Sportschütze auf sein Opfer gewartet. Als der 33-Jährige arglos die Sicherung im Hof reindrehen wollte, habe ihn der Nachbar mit neun Schüssen niedergestreckt. Noch während das Opfer in sich zusammensackte, habe der Mörder acht weitere Schüsse abgegeben. Ein Schuss traf den Mann von der Seite, acht von hinten. Ein Ton-Mitschnitt auf dem Handy des Opfers belegte nach Einschätzung des Gerichts, dass der 33-Jährige kurz vor der Tat ruhig und besonnen war und nur die Sicherung wieder in Ordnung bringen wollte.

Der Täter hatte dagegen ausgesagt, sein randalierender Kontrahent habe ihn mit einem Hammer erschlagen wollen. Er habe aus Notwehr geschossen. Der Mann reagierte äußerlich unbewegt auf das Urteil. Freunde und Verwandte des Opfers zeigten sich nach der Entscheidung des Gerichts erleichtert. Sie trugen schwarze T-Shirts mit einem aufgedruckten Porträtfoto des 33-Jährigen und dem Schriftzug „Ecki forever“ und „Niemals geht man so ganz“.

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