05. April 2008 Auch fast zwei Wochen nach dem tödlichen Holzklotzwurf kommen die Einwohner der Ortschaft Wahnbek bei Oldenburg nicht zur Ruhe. Wir sind alle noch geschockt, sagt Gunda Hechler, die am Freitag an einem mobilen Wurststand einkauft. Der Verkaufswagen steht nur wenige hundert Meter von jener Autobahnbrücke entfernt, von der vermutlich Jugendliche am Ostersonntag einen Holzklotz auf das Auto einer vierköpfigen Familie geworfen hatten und die Mutter auf dem Beifahrersitz tödlich trafen. Jeden treibe die Frage um, wer so etwas getan haben könne. Hoffentlich, fügt Gunda Hechler hinzu und packt ihre Einkäufe ein, war es keiner aus dem Dorf.
Die Frau appelliert an die Täter, zur Besinnung zu kommen und sich zu stellen. Das ist doch eine schwere Last, sagt sie. Mit so was kann man doch nicht leben. Für den 64-jährigen Herbert Holst, der neben dem Wurstwagen einen Kiosk in dem 2500-Seelen-Ort betreibt, steht fest: Sollte es sich bei dem tödlichen Wurf von der Brücke wirklich um die Tat eines oder mehrerer Jugendlicher handeln, dann sei auch für deren Verwandte alles zerstört. Da bricht doch alles zusammen für die Familie.
Die werden sich verplappern
Die meisten im Ort sind sich sicher, dass die Täter über kurz oder lang von der Polizei ermittelt werden. Wenn das junge Leute sind, werden die sich verplappern, prophezeit Hubert Oho. Das halten die nervlich gar nicht aus. Die 27-köpfige Soko Brücke der Oldenburger Polizei versucht derweil genau deshalb mit allen Mitteln Druck auf die oder den Täter auszuüben. Nachdem sie ein Phantombild veröffentlichten, das schemenhaft eine Gruppe Jugendlicher zeigt, und den Fall in Fernsehsendungen wie Aktenzeichen XY...ungelöst vorstellte, schließt die Polizei mittlerweile auch einen Massengentest nicht aus.
Sollte das Landeskriminalamt in Hannover an dem sechs Kilogramm schweren Pappel-Holzklotz verwertbare DNA-Spuren finden, könnten bis zu 1200 Jugendliche zum Speicheltest gebeten werden, sagt ein Polizeisprecher. Noch sei dies aber nur eine Option. Inzwischen hat sich die Zahl der eingegangenen Hinweise auf 450 erhöht. Doch Hinweise auf bestimmte Personen hätten sich bislang nicht zu einem konkreten Tatverdacht erhärtet, sagt der Sprecher.
Im Visier der Fahnder stehen vier bis fünf Jugendliche, darunter vermutlich ein Mädchen und ein großer Heranwachsender mit Basecap und heller Jacke. Die Gruppe soll sich nach Zeugenaussagen zur Tatzeit auf der Brücke über der A 29 aufgehalten haben. Solche Jugendliche habe ich bei uns im Dorf auch schon gesehen, sagt eine Passantin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Aber sie können doch auch von woanders herkommen, ergänzt sie schnell.
Wie mag das für die Kinder sein?
Das Opfer sei so eine hübsche Frau gewesen, fügt sie hinzu. Wie mag das für die Kinder sein, grübelt ein Mann, der neben ihr auf der Straße steht. Die Jungen seien erst sieben und neun Jahre alt. Die brauchen doch ihre Mutter. Bei der Tat war eine 33-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Telgte vor den Augen ihrer Söhne und ihres Ehemannes durch das Wurfgeschoss getötet worden. Auf der Brücke erinnern Blumen und ein Grablicht an das schreckliche Ereignis.
Wenn jetzt in seinen Kiosk Jugendliche mit schiefer Mütze und hängender Hose kämen, dann schaue er schon genauer hin, räumt Holst ein. Er frage sich dann, ob sie es vielleicht gewesen seien. Aber eigentlich sei die ganze Tat für ihn überhaupt nicht zu begreifen.
Text: ddp
Bildmaterial: AP, ddp, dpa
