
In sozialwissenschaftlichen Studien ist die Wahl der Quellen für das Ergebnis der Studie in hohem Maße mitentscheidend.
Für die Studie wurden neben Sektionsprotokollen Täterverhöre, Zeugenvernehmungen, Gerichtsprotokolle und Urteilsbegründungen herangezogen. Bei diesem Quellenmaterial muss man zwangsweise darauf kommen, dass die meisten Täter männlich sind, da Kindesmisshandlung durch Mütter infolge unseres mütteridealisierendes Gesellschaftsbild häufig nicht vermutet/entdeckt/verfolgt wird, weil Gewalt von Müttern gegenüber Kinder tabuisiert wird. Auch bei einem gemeinsamen Missbrauch durch die Eltern wird im Normalfall vom Mann als Haupttäter ausgegangen. Da unsere Justiz diesem Gesellschaftsbild folgt, untersucht die Studie in meinem Verständnis nur die Untergruppe der verurteilten TäterInnen.
Ich möchte an dieser Stelle Studie an sich nicht in Frage stellen, das steht mir nicht zu, ich möchte nur sagen, dass dieser Artikel den Sachverhalt so darstellt, wie oben beschrieben. Um mir eine vollständige Meinung bilden zu können müsste ich die gesamte Studie kennen und nicht nur einige Vorabergebnisse. (Es wäre z.B. allein schon interessant, ob mit den meisten TäterInnen 51% oder 99% gemeint sind.)

"Die Revolution frisst ihre Kinder... " Ein Satz der sich auf entsetzliche Weise bewahrheitet.
In den achtundsechzigern war die "antiautoritäre" Erziehung im Schwange, man wollte es besser machen als die Eltern. Heraus kam dabei für fast eine Generation, eine "laissez- faire- (Nicht-) Erziehung".
Das konnte nicht gut gehen. Kinder brauchen Grenzen und klare Direktiven, sonst verlieren sie die Orientierung und werden krank oder zu notorischen Störenfrieden.
Diese orientierungslose Generation gehört jetzt zur Elterngeneration. Wer selbst nicht gelernt hat, mit Grenzen, Verzicht und Solidarität umzugehen, kann das nicht weitergeben und ist damit überfordert, Grenzen setzen zu müssen - zu "erziehen".
Diese Überforderung (neben all den anderen Problemen, die in diesen Familien herrschten) ist es, die dann in derart entsetzliche Taten mündet. Wobei die getöteten Kinder ja nur die Spitze des Eisbergs sind.
SJ