Berlin und Nordhausen

Wieder zwei Babyleichen entdeckt

Der Balkon der Erdgeschosswohnung in Nordhausen, wo eine Babyleiche gefunden wurde

Der Balkon der Erdgeschosswohnung in Nordhausen, wo eine Babyleiche gefunden wurde

07. Dezember 2007 Wieder sind zwei Babys durch fehlende Versorgung gestorben: In Berlin ist ein sechs Wochen altes Mädchen offenbar neben seiner toten Mutter verdurstet. Im thüringischen Nordhausen starb ein Kind unmittelbar nach der Geburt am Donnerstag, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Ermittlungen hätten ergeben, dass die 27 Jahre alte Mutter sich am Nachmittag bei einer Selbsthilfegruppe gemeldet und mitgeteilt habe, ihr Neugeborenes sei wahrscheinlich tot.

In ihrer Wohnung fanden Polizei und Rettungskräfte einen unterkühlten leblosen Säugling, der sofort ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Rettungsmaßnahmen waren jedoch erfolglos. Nach Angaben der Polizei sollen sich während der Geburt noch der neunjährige Sohn der Frau und dessen Freund in der Wohnung aufgehalten haben.

Da das Kind offensichtlich nach der Geburt nicht versorgt worden sei, gehe die Staatsanwaltschaft Mühlhausen dem Verdacht des Totschlags durch Unterlassen nach. Eine Obduktion des Säuglings soll Aufschluss über die genauen Umstände des Todes bringen. Die Mutter wurde in ein Krankenhaus gebracht, der Sohn wird derzeit von Nachbarn versorgt.

Verbrechen oder Selbstmord?

In Berlin wurden die Leichen der Mutter und des Babys am Donnerstag von der Feuerwehr gefunden. Anhaltspunkte für ein Verbrechen oder einen Selbstmord der jungen Frau gab es zunächst aber nicht. Die 24-Jährige hatte Drogenprobleme und Vorerkrankungen, sie stand im Kontakt mit dem Jugendamt, wie die Polizei mitteilte. Wegen einer Risikoschwangerschaft wurde sie bereits vor der Geburt ihres Babys betreut. Sie habe Termine regelmäßig wahrgenommen.

Als sie aber am Donnerstag nicht auf dem Jugendamt erschien, suchte eine Mitarbeiterin der Behörde die Wohnung im Bezirk Charlottenburg auf. Da niemand aufmachte, informierte sie die Feuerwehr, die die Tür öffnete und die beiden Leichen entdeckte. Die Todesursache sollte mit einer Obduktion am Freitag ermittelt werden.

Väter der Kinder von Darry werden befragt

Im Fall der fünf von ihrer Mutter erstickten Jungen in Darry bei Plön untersucht die Kieler Staatsanwaltschaft die Hintergründe der Tat. „Die Tatvorgeschichte wird aufgehellt werden müssen, insbesondere im Hinblick auf psychische Vorerkrankungen der Frau“, sagte Oberstaatsanwalt Kuno Fischer am Freitag. Dabei müsse auch die Rolle der Partner betrachtet werden. Die beiden Väter der Kinder würden noch als Zeugen befragt.

Eine durchgängige Vernehmung der Mutter sei jedoch - auch aufgrund von Medikamenten - noch nicht möglich gewesen. Die 31-Jährige, die ihre Söhne im Alter von drei bis neun Jahren mit Tabletten betäubt und dann erstickt hatte, wurde in die Psychiatrie Schleswig verlegt. Das Amtsgericht Plön habe dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf vorläufige Unterbringung der Frau in einer geschlossenen Klinik zugestimmt, sagte Fischer. Über eine dauerhafte Unterbringung muss später ein Gericht entscheiden.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: ddp

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