Amoklauf in Berlin

Opfer werden mit Aids-Medikamenten behandelt

Die Rettungsstelle der Charité in Berlin

Die Rettungsstelle der Charité in Berlin

29. Mai 2006 Die Opfer der Amoklaufs im Berliner Regierungsviertel sind nach Experteneinschätzung doppelt traumatisiert und befinden sich in einer Art Schockzustand. Zum einen litten sie unter der Stichverletzung, gleichzeitig müßten sie mit der Angst vor einer möglichen HIV-Infektion durch den Messerstich fertig werden, sagte der Direktor der Klinik für Innere Medizin am Berliner Vivantes-Klinikum Auguste Viktoria, Keikawus Arastéh, am Sonntag.

Eines der Opfer hatte der Polizei mitgeteilt, mit dem Aids-Virus HIV infiziert zu sein. „Eine Infektion der im Anschluß verletzten Menschen ist nicht zwingend die Folge, kann aber nicht ausgeschlossen werden“, hieß es von der Polizei. Mit einem Telefon-Rundruf und per Radiodurchsage wurden alle Betroffenen, auch die Ersthelfer, aufgefordert, sich untersuchen zu lassen. 56 Menschen meldeten sich bis Sonntag mittag im Virchow-Klinikum und der Charité, darunter auch Ersthelfer und drei Leichtverletzte, die bis dahin nicht bekannt waren. 28 von ihnen bekamen sofort virushemmende Medikamente, weil sie möglicherweise mit infiziertem Blut Kontakt hatten.

Risiko um 80 Prozent mindern

In der Nacht am Tatort

In der Nacht am Tatort

Die Mittel sind um so wirksamer, je früher man sie einnimmt. Empfohlen ist die Einnahme innerhalb vom 24 Stunden nach der Ansteckung, erläutert der Charité-Infektiologe Norbert Suttorp. „Man weiß, daß man durch Einnahme des Medikaments dieses Risiko von 1 zu 300 noch mal um 80 Prozent reduzieren kann.“ Erst in sechs Monaten werden die Patienten Gewißheit haben, daß sie das Aids-Virus nicht in sich tragen. „Eine ausgesprochen schwierige Situation“, sagt Suttorp. Die Charité bietet auch deshalb psychologische Betreuung an. „Insgesamt waren aber alle sehr gefaßt“, berichtet Charité-Sprecherin Kerstin Endele. (siehe auch: HIV-Nachweis: Quälende Ungewißheit)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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