Fall Marco W.

Deutsche Politiker empört über türkische Richter

21. November 2007 Die erneute Prozess-Vertagung des in der Türkei inhaftierten Schülers Marco aus Uelzen ist in Berlin mit Empörung aufgenommen worden. Politiker von Union und FDP forderten Konsequenzen. „Der Fall zeigt, dass die Türkei nicht reif für den Beitritt in die Europäische Union ist“, sagte der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Gehb, der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Mittwochausgabe). „Mit unserem Verständnis von einem Rechtsstaat ist dieses Verfahren nicht mehr vereinbar“, sagte Gehb.

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen kritisierte: „Haftsachen, insbesondere in Jugendverfahren, sind in allen Rechtsstaaten der Welt mit besonderer Beschleunigung zu bearbeiten. Was wir hier erleben an immer neuen vermeidbaren Verzögerungen ist ein Skandal“, betonte er.

Eilverfahren gefordert

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte ein Eilverfahren vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof: „Diese Verzögerung des Verfahrens ist nicht akzeptabel. Mit rechtsstaatlichen Maßstäben hat das nichts zu tun.“

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) kritisierte, die britische Belastungszeugin Charlotte, die Marco sexuellen Missbrauch vorwirft, „hätte schon längst vor Gericht erscheinen müssen, damit sich die Richter ein Bild von ihrer Glaubwürdigkeit machen können“.

Die Verhandlung gegen Marco war am Dienstag im türkischen Antalya auf den 14. Dezember vertagt worden. Der Jugendliche soll sich im April im türkischen Urlaubsort Side in einem Hotelzimmer an der 13-jährigen Britin Charlotte sexuell vergangen haben. Der Schüler sitzt seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft in der Türkei.



Bildmaterial: dpa

 
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