Polizistenmord in Heilbronn

„Der Fall sprengt alles Dagewesene“

28. März 2008 Mysteriöse Verbindung zwischen zwei Gewaltverbrechen: Die mutmaßliche Mörderin einer Heilbronner Polizistin scheint auch in den Mord an drei Georgiern im Raum Heppenheim verwickelt zu sein. Im Fahrzeug eines tatverdächtigen V-Manns des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA) wurde eine genetische Spur der unbekannten Frau entdeckt, teilte die Heilbronner Polizei am Donnerstag mit. „Wir wollen nun Bezüge herstellen und wissen, wann und wie die Spur ins Fahrzeug gekommen ist“, sagte ein Polizeisprecher. „Der Fall sprengt alles Dagewesene.“

Nach den Kopfschüssen auf zwei Polizisten am 25. April 2007 in Heilbronn war eine DNA-Spur der unbekannten Frau am Dienstfahrzeug der Beamten gesichert worden. Eine 22 Jahre alte Polizistin starb, ihr inzwischen 25 Jahre alter Kollege wurde schwer verletzt.

Spur an zwei Dutzend Tatorten entdeckt

Dieselbe DNA-Spur wurde in den vergangenen Jahren an rund zwei Dutzend Tatorten in ganz Europa gesichert, neben Baden-Württemberg auch in Österreich, Frankreich und Rheinland-Pfalz. 1993 hatte die Unbekannte in Idar-Oberstein DNA-Spuren in der Wohnung einer 62 Jahre alten Rentnerin hinterlassen, die mit einer Drahtschlinge erdrosselt worden war. In Freiburg war ein Rentner im März 2001 ebenfalls erdrosselt worden. Auch dort hat sie DNA-Spuren hinterlassen. In Österreich wird die Frau in Zusammenhang mit einer Einbruchserie gesucht.

Im Februar waren die Leichen von drei vermissten Georgiern im Altrhein bei Mannheim gefunden worden. Zwei der Männer waren erschossen worden, der Dritte wurde erstickt. Die Georgier waren für Autogeschäfte nach Deutschland gekommen. In Ludwigshafen stiegen sie dann in den Wagen des V-Mannes, der sein Geld im Autohandel verdiente. Er soll den Georgiern die Vermittlung eines Gebrauchtwagens angeboten haben. Der aus dem Irak stammende V-Mann des LKA und ein mutmaßlicher Islamist aus Somalia sitzen in Untersuchungshaft.

Massen-Gentest in Heilbronn

Nach Angaben der Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Gisa Thermann, hatte das rheinland-pfälzische LKA den Wagen 2007 gekauft und dem V-Mann zur Verfügung gestellt. Ob die DNA-Spur zu diesem Zeitpunkt schon in dem Auto war oder erst später hineinkam, lasse sich nicht feststellen, sagte Thermann. Bislang gebe es keine gesicherten Querverbindungen dieser beiden Fälle.

Mit einem Massen-Gentest versucht die Heilbronner Polizei derzeit, den Polizistenmordfall aufzuklären. Hunderte Frauen, die wegen Einbruchs oder Gewalt aufgefallen sind, müssen einen Speicheltest abgeben. Im August 2007 war in Kornwestheim (Baden-Württemberg) eine DNA-Spur der mutmaßlichen Mörderin bei Gartenhauseinbrüchen festgestellt worden. Für Hinweise zur Ergreifung der Täterin wurde eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

 
FAZ.NET-RSS-Service

Alles im Blick!

Die RSS-Services von FAZ.NET: RSS-Reader, Vista Gadget und RSS-Feeds

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche