Italien

„Krieg der Mafia“ in Neapel

Paolo Di Lauro wird abgeführt

Paolo Di Lauro wird abgeführt

16. September 2005 Nach dem „Krieg der Mafia“ in Neapel mit Dutzenden Toten ist der mächtigste Drahtzieher der Clanfehde gefaßt. Spezialfahndern der italienischen Polizei gelang es am Freitag morgen, den seit Jahren flüchtigen Camorra-„Paten“ Paolo Di Lauro in einer Wohnung am Stadtrand von Neapel zu überwältigen.

Di Lauro, genannt „der Millionär“, hatte im vergangen Jahr seine Killer mit äußerster Brutalität gegen „Abtrünnige“ gehetzt, die ihm seine Herrschaft im Drogenhandel streitig machen wollten. Es handelte sich um den blutigsten Bandenkrieg seit Jahrzehnten. Innenminister Giuseppe Pisanu nannte die Festnahme einen spektakulären Schlag. „Der Mythos Di Lauro ist zerstört, jetzt sind die Sicherheitskräfte dabei, die Schlacht gegen die Camorra zu gewinnen.“ Di Lauro, der in Begleitung einer Freundin war, wurde in Italien als einer der 30 meistgesuchten Mafiosi eingestuft.

„Wir haben die Camorra erheblich geschwächt“

Die Clanfehde war Ende vergangenen Jahres zeitweise völlig außer Kontrolle geraten: Immer wieder wurden Mafiosi auf offener Straße durch Genickschuß „hingerichtet“, Politiker bezeichneten die Camorra-Hochburgen am Stadtrand als „staatsfreie Zonen“. Um der Lage Herr zu werden, stationierte die Regierung zeitweise Soldaten in Neapel. Nach italienischen Medienberichten starben mehr als 50 Menschen, anfänglich war sogar von 100 Opfern die Rede. „Wir haben die Camorra zwar noch nicht zerschlagen, aber wir haben sie erheblich geschwächt“, meinte Pisanu. In Kreisen der Fahnder heißt es, Di Lauro sei möglicherweise nach Neapel zurückgekehrt, um einen Frieden im „Mafiakrieg“ zu besiegeln. Der monatelange blutige Konflikt war allerdings bereits seit vergangenem Februar so gut wie beendet, nachdem spanische Fahnder den Anführer der „Aufständischen“ beim Verlassen des Spielkasinos Barcelona gefaßt hatten.

Der „Krieg der Mafia“ in Neapel hatte Ende des vergangenen Jahres ganz Italien schockiert: Unter anderem wurde eine junge Frau von Killern mit Benzin übergossen und verbrannt. Drei junge „Abtrünnige“ wurden erst mit Handschellen gefesselt, dann von Maschinengewehrkugeln regelrecht durchsiebt. Es war die kaltblütige Brutalität, die schockierte: Zuvor hatte es immer wieder geheißen, die Zeiten der blutigen Rivalenkämpfe der Mafia seien vorbei. „Krieg wie in Bagdad und Beirut“, nannten empörte Kommentatoren die Entwicklung. Allerdings wurde zugleich harsche Kritik an der Justiz laut: Immer wieder hieß es, es würden beschuldigte Mafiosi aus der Haft entlassen. Diese würden sich dann an denjenigen rächen, die vor Gericht gegen sie ausgesagt hätten. „Die Camorra gehört zum DNA-Erbgut Neapels“, meinte ein Experte.

Text: dpa
Bildmaterial: REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Verliebt, verlobt, verheiratet!Für alle die mehr suchen als einen Flirt - www.faz.net/partnersuche

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche