Somnambulie

Diagnose „Mondsucht“: Brite nach Vergewaltigung freigesprochen

Mondfinsternis

Mondfinsternis

20. Dezember 2005 Seine Mondsucht hat einen Briten davor bewahrt, wegen Vergewaltigung verurteilt zu werden. Er könne sich nicht im Geringsten an eine der drei Sexattacken erinnern, die ihm vorgeworfen wurden, machte der 22 Jahre alte Mann nach Angaben der „Times“ vom Dienstag geltend.

Das Geschworenengericht in der nordenglischen Stadt York sprach den Mann frei, nachdem Gutachter bestätigten, daß er seit dem 13. Lebensjahr an Somnambulie leidet. Die Mondsucht, auch als Schlafwandeln oder Nachtwandeln bekannt, ist ein Zustand, in dem der Schlafende unbewußt in vielfältiger Form aktiv wird, ohne daran später eine Erinnerung zu haben.

Völlig unbewußte sexuelle Handlungen

Der jetzt frei gesprochene Mann war in einem der Fälle von einer Bekannten der Vergewaltigung bezichtigt worden. Nach ihrer Aussage, hatte sie bei ihm auf dem Sofa übernachtet, als der Mann sich plötzlich über sie hermachte. Sie habe sich vergeblich gewehrt. Die Verteidigung räumte ein, daß es wohl völlig unbewußt zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Der Mann sei danach wieder in den Schlaf gefallen. Er sei zwar auf dem Sofa anstatt im eigenen Bett aufgewacht, habe aber keinerlei Erinnerung an die nächtliche Wachzeit. Ähnlich „unschuldig“ sei der Mann bei den beiden anderen Sexattacken gewesen, die ihm zur Last gelegt wurden.

Der Gutachter Ishaad Ebrahim erklärte dem Gericht nach Angaben der Zeitung, etwa 1 bis 2,5 Prozent der britischen Bevölkerung würden unter der medizinisch allgemein anerkannten Krankheit der Mondsucht leiden. Nur etwa 4 Prozent dieser Schlafwandler seien während der unbewußten Wachphasen sexuell aktiv.

Der Freispruch fällt in eine Zeit, da sich die britische Justiz um höhere Verurteilungsquoten bei Sexualstraftaten bemüht. Bei nur etwa 5,6 Prozent aller Vergewaltigungs-Prozesse in Großbritannien kommt es zu einer Bestrafung. Das ist laut „Times“ die geringste Rate in ganz Europa mit Ausnahme Irlands. Erst im vergangenen Monat hatte ein britisches Gericht die Vergewaltigungsklage einer Frau abgewiesen, weil diese volltrunken gewesen sei und daher für den Mann nicht klar gewesen sei, daß sie keinen Sex wollte.

Text: dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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