St.-Pölten-Skandal

Strafantrag gegen Studenten des Priesterseminars gestellt

In der Kritik: Bischof Kurt Krenn

In der Kritik: Bischof Kurt Krenn

19. Juli 2004 Im Porno-Skandal um das Priesterseminar der niederösterreichischen Stadt St. Pölten hat die Staatsanwaltschaft eine erste Strafanzeige angekündigt. Ein 27jähriger Priesterstudent aus Polen wird beschuldigt, eine „Vielzahl von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen“ aus dem Internet auf seinen privaten PC heruntergeladen zu haben. Er muß mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen. Ermittlungen gegen acht weitere Mitglieder des Seminars wurden hingegen eingestellt. Im Zusammenhang mit dem Skandal wird der Ruf nach dem Rücktritt des für das Seminar verantwortlichen Bischofs Kurt Krenn immer lauter. Es wird erwartet, daß sich der Vatikan in Kürze mit den Vorwürfen gegen ihn befaßt.

Wie der zuständige Staatsanwalt Walter Nemec am Montag bekannt gab, hatte der verdächtige Student die Bilder auf der Festplatte seines Privat-PCs gespeichert und sie kurz vor der Beschlagnahmung am 24. Mai gelöscht. Mit Hilfe einer speziellen Software habe man die Bilder jedoch rekonstruieren können. Der junge Mann wird jetzt aus dem Seminar ausgeschlossen. Das Verfahren gegen mehrere andere Studenten soll zunächst intern fortgesetzt werden.

Anonymer Brief mit vagen Angaben

Nach Angaben des Staatsanwalts wurden die Ermittlungen gegen acht Mitglieder des Seminars zunächst eingestellt, weil ihnen keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden konnten. Unklar ist auch, wie die Ermittlungen im Fall von zwei anonymen Anzeigen wegen sexuellen Mißbrauchs von Unmündigen durch „Personen aus dem Umkreis des Priesterseminars St. Pölten“ weiter gehen. Die Vorwürfe seien „relativ vage“ und lägen bereits länger zurück, teilte der Leitende Staatsanwalt Walter Nemec am Montag mit. Hier seien Ermittlungen durch die zuständigen Behörden zu führen, die erst begonnen hätten.

Text: dpa
Bildmaterial: AP

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