Prozeß

Hildesheimer Schüler geständig

02. Juni 2004 Im Prozeß um die Mißhandlung eines Berufsschülers in Hildesheim haben die elf angeklagten früheren Klassenkameraden im Alter zwischen 16 und 18 Jahren am Mittwoch gestanden, daß sie ihr Opfer über Monate immer wieder geprügelt, getreten, anderweitig gequält und gedemütigt haben. Bei der Verhandlung im Hildesheimer Landgericht ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Richter hatten zum Prozeßbeginn eine Vereinbarung getroffen, nach der dem 18 Jahre alten Opfer, das sich in Therapie befindet, eine detaillierte Zeugenaussage erspart bleiben könne, wenn die Angeklagten gestehen. Dies sollte sich mildernd auf das Strafmaß auswirken, über dessen Rahmen es auch schon Absprachen geben soll. Zehn der Angeklagten hätten ihre Quälereien weitgehend eingestanden, sagte einer der Verteidiger in einer Verhandlungspause. Sie hätten sich zudem bei dem Opfer entschuldigt.

Drei der Beschuldigten, die das Opfer gezwungen hatten, sich auszuziehen, Kreide zu essen und ihnen die Füße zu küssen und dies auch gefilmt und die Bilder per Internet und SMS versandt hatten, sitzen wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Ihnen droht Jugendhaft. Einige andere müssen mit Bewährungsstrafen rechnen. Mehrere Mitläufer, die vielleicht nur wegen des Gruppendrucks mitmachten, könnten mit sozialen Diensten davonkommen. Das Urteil soll am kommenden Mittwoch verkündet werden.

Text: Th., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2004, Nr. 127 / Seite 11

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