Fünf Kinder ermordet

Staatsanwalt sieht „Schuldunfähigkeit“ der Mutter

Fundort der fünf Kinderleichen: das Wohnhaus in Darry

Fundort der fünf Kinderleichen: das Wohnhaus in Darry

06. Dezember 2007 Die im schleswig-holsteinischen Dorf Darry getöteten fünf Kinder sind erstickt worden. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Obduktion, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Donnerstag in Kiel. Wick ergänzte: „Eine Verabreichung von Schlafmitteln ist nicht auszuschließen.“ Die letzten toxikologischen Untersuchungen stehen noch aus.

Nach der Familientragödie wollen die Behörden die Mutter auf Dauer in eine psychiatrische Klinik einweisen. „Wir bereiten den Unterbringungsbefehl vor“, sagte am Donnerstag der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Die Kieler Staatsanwaltschaft geht bei der 31-jährigen Mutter, die ihre fünf Söhne getötet haben soll, von
einer „absoluten Schuldunfähigkeit“ aus. Am Mittwoch waren in Darry (Kreis Plön) die Leichen der drei bis neun Jahre alten Jungen im Einfamilienhaus der Familie gefunden worden. Die 31 Jahre alte Mutter steht im dringenden Verdacht, ihre Söhne getötet zu haben. Die Jungen wurden am Morgen in der Rechtsmedizin obduziert. Mit einem Ergebnis sei frühestens in den Mittagsstunden zu rechnen, sagte Wick.

Unter Aufsicht des Jugendamtes

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Lehrern der örtlichen Grundschule soll ein verwahrloster Zustand der beiden älteren Kinder aufgefallen sein. So sollen die Kinder im November ohne Jacken in der Schule erschienen sein. Die Pausenbrote seien mehrere Tage alt gewesen. Darüber sei das zuständige Jugendamt unterrichtet worden. Wie der Bürgermeister von Darry, Olaf Arnold, bestätigte, stand die Familie unter der Betreuung des Jugendamtes. Nach ARD-Angaben hatten Mitarbeiter des Jugendamtes am Mittwoch versucht, die Frau zu besuchen, weil die Kinder in der Schule gefehlt hätten. Die fünf Kinder sollen von zwei verschiedenen Vätern stammen. Der Vater von drei Kindern lebe in Berlin, der Vater der beiden anderen wohne in Schleswig-Holstein.

Eltern und Schüler wiesen dagegen Berichte zurück, dass die Kinder verwahrlost gewesen seien. „Sie waren offenbar nicht wohlhabend“, sagte eine 33-jährige Mutter. „Das stimmt überhaupt nicht, dass sie vernachlässigt waren“, sagte ein elfjähriges Nachbarsmädchen. Sie habe häufig die beiden älteren Jungen Justin und Jonas ein Stück auf ihrem Schulweg begleitet, sagte das Mädchen am Morgen an der Haltestelle, wo sie auf den Bus zum Gymnasium nach Lütjenburg wartete. „Einmal ging einer von ihnen in Hausschuhen zur Schule, aber nur weil er vergessen hatte, richtige Schuhe anzuziehen“, berichtete die Schülerin.

Unterricht in Dorfschule fällt aus

Das Dorf Darry stand am Donnerstag unter Schock. Der reguläre Schulunterricht fiel aus. Weinende Eltern begleiteten ihre Kinder zu der kleinen Grundschule, die von 72 Schülern besucht wird. „Es findet kein Unterricht statt, vier Pastoren und Psychologen kümmern sich um die Schüler“, sagte die sichtlich bewegte Schulleiterin Andrea Danker-Isemer. Ein weiterer Seelsorger sei im angrenzenden Kindergarten im Einsatz.

Mit Trauer und Betroffenheit reagierte die Landesregierung in Kiel auf die Familientragödie. „Die furchtbare Tat wirft viele Fragen auf, die wir zurzeit nicht beantworten können“, erklärten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und Innenminister Ralf Stegner (SPD). „Wir stehen mit Fassungslosigkeit vor fünf jungen Menschen, die jetzt tot sind.“ Erst die Untersuchungen der nächsten Tage könnten die Hintergründe des furchtbaren Ereignisses erhellen.

Erst am Vortag hatte eine Meldung aus dem sächsischen Plauen für Aufregung gesorgt, wo eine 28-jährige Frau verhaftet wurde, die ihre drei Säuglinge getötet haben soll. Es gebe jedoch bisher kein Geständnis der Frau, teilten die Ermittler in Sachsen mit. Die Polizei hatte am Dienstag und Mittwoch in ihrer Wohnung zwei Kinderleichen in einer Tiefkühltruhe und auf einem Balkon gefunden. Eine Woche zuvor war der erste Leichnam in einem Koffer im Keller eines anderen Hauses entdeckt worden. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen dreifachen Totschlags erlassen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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